Tokio (JAPANMARKT) – Zum zweiten Mal binnen zwei Monaten zieht sich offenbar ein japanischer Investor aus einem Atomkraftprojekt in Großbritannien zurück. Das ist auch ein Rückschlag für die japanische Regierung.

Ausstieg steht bevor

Der Mischkonzern Hitachi steigt nach einem Bericht der Finanzzeitung Nikkei aus seinem Mega-Atomkraftprojekt in Großbritannien aus und verbucht dafür einen Verlust von bis zu 300 Milliarden Yen (2,4 Milliarden Euro). Alle Arbeiten inklusive Design und Bauvorbereitung für zwei Atomkraftwerke in Wylfa Newydd auf der walisischen Insel Anglesey würden eingestellt. Der Verwaltungsrat wird voraussichtlich noch diese Woche entscheiden.

Vorstandschef Toshiaki Higashihara hatte zuletzt am 17. Dezember beteuert, man habe sich noch nicht entschieden. Dies wurde nun von einem Hitachi-Sprecher bekräftigt. Bereits im März 2018 hatte Hitachi die Ausstiegskosten auf 270 Milliarden Yen geschätzt. Hitachi hatte nach einer Explosion der Kosten um die Hälfte auf rund 24 Milliarden Euro kalte Füße bekommen.

Im Frühjahr 2018 überzeugte Hitachi-Chairman Hiroaki Nakanishi die britische Premierministerin Theresa May, rund zwei Drittel der Kosten zu übernehmen. Den Rest wollten sich Hitachi sowie je ein britisches und japanisches Konsortium aus privaten Firmen und staatlichen Geldgebern teilen. Doch in Japan fanden sich offenbar keine Investoren.

Exportstrategie für Atomkraft

Der Ausstieg von Hitachi trifft auch Shinzo Abe. Japans Regierungschef hatte sich trotz Fukushima-Katastrophe bei mehreren Auslandsbesuchen persönlich für den Export japanischer Atomanlagen engagiert. Doch alle von ihm geförderten Deals sind inzwischen entweder geplatzt oder in der Schwebe.

Im November hatte Toshiba sein britisches AKW-Vorhaben Moorside in der Grafschaft Cumbria aufgegeben. Die Toshiba-Tochter NuGeneration wird abgewickelt, weil sich kein Käufer fand. Estland erteilte Hitachi vor zwei Jahren einen AKW-Auftrag, aber das Projekt liegt inzwischen auf Eis.

2016 wurde ein bereits genehmigtes japanisches AKW von der Regierung in Vietnam storniert. Im Vorjahr wurde ein Reaktorprojekt von Mitsubishi Heavy Industries und Framatome in der Türkei wegen überhöhter Kosten gestoppt. Offenbar haben die großen finanziellen Dimensionen der modernen Atomreaktoren Japans Exportstrategie nicht aufgehen lassen.

Foto: AKW-Projekt in Wylfa Newydd (© UK Horizon Nuclear/Hitachi)