Tokio (JAPANMARKT) – Für die japanische Regierung ist der G20-Gipfel Ende Juni das wichtigste politische Ereignis des Jahres. Die Strategie wurde bereits skizziert.

Vorreiter beim Handel

Im abgelaufenen Jahr war Japans Premierminister Shinzo Abe der wichtigste Schrittmacher für den Freihandel. Nach dem Ausstieg der USA aus der Trans-Pazifik Partnerschaft (TPP) gab Abe nicht auf, sondern brachte zusammen mit Australien dieses Freihandelsabkommen der Pazifikanrainerstaaten zum Abschluss. Auch die schnelle Unterzeichnung und Ratifizierung des Wirtschaftsabkommens zwischen Japan und der Europäischen Union (Jefta) binnen sechs Monaten ist dem 64-jährigen Premier zu verdanken.

Im neuen Jahr will Abe, der Japan nun seit mehr als sechs Jahren führt, seine Vorreiterrolle beibehalten. Beim G20-Gipfel Ende Juni im japanischen Osaka wird seine Regierung die Handelsbilanzen zum inhaltlichen Schwerpunkt machen. Dabei will Abe darauf drängen, dass Handelsdefizite durch multilaterale Absprachen statt durch bilaterale Verträge abgebaut werden. Handelsdefizite sind nach japanischer Ansicht strukturell bedingt, etwa durch globale Kapitalströme und zu wenig nationale Sparleistungen.

Unterstützung für China

Dieser Ansatz auf dem G20-Gipfel würde auf eine Isolierung von US-Präsident Donald Trump hinauslaufen, der einseitig Zölle verhängt und multilaterale Verträge ablehnt. Eigentlich hatte Abe sich wie kein anderer Regierungschef um die Freundschaft von Trump bemüht, da die USA Japans einziger Sicherheitspartner sind.

Aber die Alleingänge von Trump beim Handel und bei Nordkorea zeigten Abe, dass er sich besser nicht alleine auf ihn verlässt. Auch presste Trump Abe Vorgespräche für einen bilateralen Handelsvertrag ab, den Japan verhindern oder zumindest verzögern will. Außerdem möchte Abe China im Streit mit den USA den Rücken stärken.

China ist nicht nur Japans größter Handelspartner, sondern Abe will den G20-Gipfel auch nutzen, um die junge Freundschaft mit Präsident Xi Jinping zu pflegen. Im abgelaufenen Jahr hatten sich Abe und Xi nach langer Eiszeit wegen ihrer Handelskonflikte mit den USA einander wieder angenähert, obwohl Chinas Hegemonialstreben von Abe als Japans größte Bedrohung gesehen wird.

Alternde Gesellschaft

Als Vorreiter sieht sich Abe auch beim Umgang mit den Wirtschaftsproblemen durch eine alternde Bevölkerung. Dieses Thema wird der weitere Schwerpunkt beim G20-Gipfel sein. Auch auf diesem Feld können sich die Leistungen seiner Regierung sehen lassen.

Während seiner Amtszeit ist der erwerbstätige Anteil von Frauen und Senioren so stark gestiegen, dass trotz schrumpfender Bevölkerung die Zahl der Erwerbstätigen nicht gesunken ist. Ab April 2019 holt Japan mehrere hunderttausend Ausländer als Arbeitskräfte auf Zeit ins Land.

Zugleich investieren Betriebe und Dienstleister massiv in Automatisierung. Mit dieser Mischung könnte Japan zum Vorbild für andere Industriestaaten werden.

Foto: Shinzo Abe (Kantei)