Tokio (JAPANMARKT) – Die jüngste Stärke des Yen verwundert nur auf den ersten Blick. Sie ist nämlich eher „geborgt“ als fundamental bedingt.

Aufwertung im Dezember

Seit Dezember hat der Yen gegenüber vielen Währungen, darunter dem Euro, deutlich aufgewertet. Eigentlich widerspricht dies herkömmlichen Erklärungen für eine starke Währung. Denn das Trendwachstum von Japans Volkwirtschaft ist im Vergleich zu anderen entwickelten Volkswirtschaften relativ gering. Zudem ist das Zinsniveau niedrig und die Staatsverschuldung hoch.

Man dürfe aber nicht vergessen, dass Japan aufgrund jahrzehntelanger Leistungsbilanzüberschüsse die größte Netto-Gläubigernation der Welt darstelle, erläutert jedoch Matthias Krieger, Senior Economist bei der Landesbank Baden-Württemberg. Die Bestände von japanischen Anlegern an ausländischen Vermögenswerten wie Aktien und Anleihen belaufen sich laut Internationalen Währungsfonds (IWF) auf rund 4.170 Milliarden Dollar.

Laut dem deutschen Ökonomen repatriieren japanische Investoren in Zeiten weltweit steigender Verunsicherung aus Sicherheitsgründen oft Teile dieser Auslandsanlagen, was eine negative Kursentwicklung an den Finanzmärkten verschärft oder gar erst auslöst. Der Yen wird während solcher Phasen sowohl für ausländische als auch japanische Investoren zu einem sicheren Kapitalhafen.

Sicherer Hafen Yen

Da in diesen Fällen japanische Investoren in größerem Umfang zum Beispiel auf Dollar oder Euro lautende Fremdwährungsanlagen verkaufen und die liquiden Mittel gegen Yen eingetauscht werden, sei die japanische Devise in diesen Phasen eine stark nachgefragte Währung, was deren Wert in die Höhe treibe, so Krieger. Eine starke Verunsicherung an den Finanzmärkten lasse den Yen also mitunter deutlich und auch sprunghaft aufwerten.

Als Beispiel nannte Krieger die rasche Aufwertung des Yen zum Jahreswechsel. Schlechte US-Wirtschaftsdaten und die unerwartete Umsatzwarnung von Apple wegen geringer iPhone-Verkäufe in China nährten zusammen mit der Lahmlegung der US-Regierung Zweifel an einem fortgesetzten Aufschwung in den USA und damit die Erwartung von stagnierenden oder fallenden US-Zinsen. Daher sei die aktuelle Yen-Stärke nur „geborgt“, argumentiert der deutsche Ökonom.

Von Dauer werde die Yen-Stärke nur sein, falls die Weltwirtschaft am Beginn eines ausgeprägten Abschwungs stehe oder die Welt vor einer sonstigen krisenhaften Entwicklung stünde. Das hält Krieger für wenig wahrscheinlich. Sollte dies wie von ihm erwartet eher nicht eintreten, dürfte der Yen wegen der relativen Schwäche der japanischen Wirtschaft und der ultraexpansiven Geldpolitik in Japan eher abwerten.

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