Tokio (JAPANMARKT) – Im neuen Jahr dürften die Löhne weniger stark steigen als 2018. Diesmal hören die Unternehmen nicht auf die Regierung.

Verzicht auf Empfehlung

Japans größter Arbeitgeberverband Keidanren verzichtet in diesem Jahr auf eine konkrete Empfehlung für die traditionellen Tarifverhandlungen im Frühjahr. Im Vorjahr hatte Keidanren seinen Mitgliedsunternehmen ein Plus von drei Prozent vorgeschlagen.

Damals folgte der Verband weitgehend dem Drängen der Regierung von Premierminister Shinzo Abe, der einen Zuwachs von über drei Prozent verlangte und wie in den Vorjahren die Autonomie der Tarifparteien ignoriert. Denn nur bei höheren Löhnen steigt der Konsum, so dass die Deflation überwunden werden kann.

Doch diesmal erklärte die Wirtschaftslobby lediglich, die Erhöhung der Basislöhne sei eine Option. Als Grund nannte die Financial Times den abnehmenden Einfluss von Premierminister Abe. Doch die Zurückhaltung hängt auch mit den aktuellen Unsicherheiten bei der Konjunktur zusammen, die viele Manager beschäftigen.

Unsicherheit über Konjunktur

Allgemein wird in diesem Jahr mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum in Japan gerechnet. Als Konjunkturbremsen könnten die von den USA ausgehenden Handelsspannungen sowie die Wachstumsschwäche von Japans wichtigstem Handelspartner China wirken. Dazu kommt die höhere Umsatzsteuer ab Herbst.

Die Löhne und Gehälter in Japan werden traditionell bei den „Shunto“ (Frühlingsoffensive) genannten Tarifgesprächen zwischen Keidanren und dem größten Gewerkschaftsverband Rengo gesetzt. Allerdings ist das Ergebnis keineswegs für alle Unternehmen verbindlich.

Regierungschef Abe hatte sich Ende Dezember bei der Keidanren-Führung das sechste Jahr in Folge dafür eingesetzt, dass die Löhne in diesem Jahr erneut kräftig steigen sollten. Als Gründe nannte er die Stabilisierung des Aufschwungs in Japan und die Abmilderung der Erhöhung der Umsatzsteuer im Oktober um zwei Punkte auf zehn Prozent.

Foto: Keidanren-Chef Hiroaki Nakanishi (© Keidanren)