Tokio (JAPANMARKT) – Anfang Januar haben Forscher der Universität Tokio erstmals seit vielen Jahrzehnten eigene Perlen aus vollständig selbstgezüchteten Austern „geerntet“. Dabei werden zwei Ziele verfolgt.

Zuchtperlen aus Miura

Die Menschen in der Misaki Marine Biological Station (MMBS) der Universität Tokio in der Stadt Miura (Kanagawa) hielten den Atem an. Man konnte eine Stecknadel fallen hören, als zwei Forscher eine Auster nach der anderen öffneten. Schließlich ertönten Freudenschreie: Kleine, runde Perlen tauchten in den Muscheln auf.

An diesem Nachmittag fanden die Wissenschaftler ein Dutzend Perlen aus 24 Austern, die sie in einem Netz am Pier der Station selbst gezüchtet hatten. Fünf Monate zuvor hatten Mitarbeiter der Station zwei Kerne in jede der Austern eingebracht. „Ich bin erleichtert, dass die Ernte schöne Perlen hervorgebracht hat“, sagte Koji Akasaka, emeritierter Professor für Zoologie und ehemaliger MMBS-Direktor, der seit 2013 das Perlenzuchtprojekt der Universität Tokio leitet.

Stärkung der Gemeinde

In Zusammenarbeit mit der Stadt Miura und dem Perlenhersteller Mikimoto aus der Präfektur Mie wollen die Forscher der Universität Tokio die lokale Gemeinde revitalisieren und die Ausbildung von Schülern in Meeresökologie fördern. So kümmerten sich Lehrer und Schüler der Kanagawa Prefectural Marine Science High School um die Austern.

Das Projekt erinnert an die historische Verbindung der Universität Tokio zum Perlenanbau. Die Misaki Marine Biological Station, die der Graduate School of Science angegliedert ist und 1886 gegründet wurde, legte den Grundstein für die heutige Perlenzuchtindustrie. Vor etwa einem Jahrhundert erfand sie die Techniken, mit denen sich erstmals Kugelperlen züchten ließen. Die Methoden setzte später Kokichi Mikimoto, der Gründer der globalen Schmuckmarke Mikimoto, ein.

Verkauf in der Universität

Nach dem ersten Testlauf will die Universität Tokio das Projekt ausbauen. Im vergangenen Sommer konnten die Forscher 5.000 kleine Austern „brüten“. Damit rückt eine Massenproduktion von Austern und Perlen näher. Außer dem Meereskunde-Gymnasium hat sich kürzlich die Kanagawa Prefectural Yokosuka Technical High School dem Projekt angeschlossen. Die Studenten dort arbeiten nun daran, Perlmutt-Handwerke aus den Muscheln von MMBS herzustellen.

Der hergestellte Schmuck soll den Ruhm der Universität Tokio mehren. „Ich möchte die Produkte am University of Tokyo Communication Center vermarkten und mehr Menschen wissen lassen, dass die Geschichte des Perlenanbaus bei uns begonnen hat“, sagte Akasaka. Das Kommunikationszentrum auf dem Hongo Campus verkauft Waren, die aus der Forschung der Universität stammen.

Foto: Mitarbeiter der Misaki Marine Biological Station der Universität Tokio ziehen am Pier gegenüber der Tokyo Bay am 9. Januar 2019 ein Netz mit Austernschalen aus dem Meer (© 2019 Universität Tokio).