Tokio (JAPANMARKT) – Die alternde Bevölkerung treibt die Gesundheitskosten in Japan nach oben. Das Gegensteuern ist politisch heikel.

Fokus auf Krankenhäuser

Japans Gesundheitssystem basiert weniger auf niedergelassenen Ärzten und mehr auf Krankenhäusern. Deswegen sind die Hospitäler sehr gut ausgestattet. Laut OECD-Daten gibt es in Japan 107 Computertomographen und 52 Magnetresonanztomographen je eine Million Einwohner. Im Durchschnitt ist ein Krankenhausbett 16,3 Tage belegt. Damit liegt Japan jeweils an der OECD-Spitze.

Doch nach einer Kalkulation des Finanzdienstes Bloomberg sind die Gesundheitsausgaben zwischen 2000 und 2016 vierzig Mal schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung. Fast zwei Drittel dieser Kosten werden von Japanern im Alter über 65 Jahren verursacht. Wegen der weiteren Alterung sollen die Kosten um weitere zwei Drittel auf 70 Billionen Yen (560 Milliarden Euro) im Jahr 2040 zunehmen.

Erste Gegenmaßnahmen

Im Oktober vergangenen Jahres hatte Premierminister Shinzo Abe angekündigt, diese „nationale“ Krise durch Kostendämpfungen abzuwenden. Das ist nicht einfach, weil das japanische Gesundheitssystem aus einem komplexen Netz von Krankenhäusern, Fachärzten, Apothekern und Versicherern gewebt ist. Diese Gruppen wehren sich ebenso gegen Veränderungen wie zahlreiche Wähler im Seniorenalter.

Erste Maßnahmen zeichnen sich ab. Im November kündigte die Regierung finanzielle Anreize für Versicherer an, damit sie einen gesünderen Lebensstil ihrer Versicherten bewerben können. Eine zweite Initiative legt einen Schwerpunkt auf Allgemein- und Hausärzte, damit weniger Spezialisten konsultiert werden. Das Bewusstsein wächst jedenfalls, dass das jetzige System nicht dauerhaft zu finanzieren ist.

Foto: Krankenhaus der Universität Tokio (Wikipedia CC0)