Tokio (JAPANMARKT) – Ein künstlicher Spinnenfaden gehört zu den Errungenschaften der japanischen Textilindustrie. Eine neue Fabrik in Thailand soll nun die Kosten senken.

Erste Massenproduktion

Spiber heißt das japanische Jungunternehmen für Biotechnologie, das im September vom halbstaatlichen Cool Japan Fund und anderen, ungenannten Investoren fünf Milliarden Yen (40 Millionen Euro) für die Massenproduktion seiner Spezialtextilie einsammelte. Damit steigt das Kapital von Spiber auf 22,4 Milliarden Yen, so viel wie bei kaum einem anderen Start-up.

Der Name Spiber ist Programm und setzt sich aus Spider (Spinne) und Fiber (Faser) zusammen. Diese Fasern aus einem Spinnenprotein sind vier Mal stärker als Stahl, aber flexibler als Nylon und lassen sich für ökologische nachhaltige Produkte von Textilien bis Taschen verwenden. Die Verarbeitung erfolgt wie bei Nylon.

Der Ursprung der Erfindung liegt im Institute for Advanced Biosciences der Universität Keio. Das Start-up wurde 2007 gegründet, um die Herstellung des synthetischen Proteins zu kommerzialisieren. Dann wurde eine Pilotfabrik in Japan errichtet. Derzeit gibt es rund 200 Beschäftigte.

Autoindustrie als Abnehmer

Das neue Werk in Thailand erhöht die Produktionskapazität des Jungunternehmens um den Faktor 100 auf mehrere hundert Tonnen Protein jährlich. Dadurch sollen die Herstellungskosten der Fasern auf 40 bis 50 Dollar je Kilogramm sinken. Der Bau der Anlage beginnt zur Jahresmitte, ab 2021 wird produziert.

Thailand wurde wegen der dortigen Textil- und Autoindustrie gewählt, die potenzielle Abnehmer der Fäden sind. Laut einem Bericht der Finanzzeitung Nikkei will Spiber 15 bis 20 Prozent des globalen Bedarfs für Fasern dieser Art abdecken.

Foto: Spiber