Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Regierung ist wegen falscher Arbeitsmarktdaten unter Druck geraten. Der Erfolg von Abenomics bei den Löhnen wirkt plötzlich weniger glaubwürdig.

Computer mit Fehler

Zwischen 2004 und 2017 erfasste das Arbeitsministerium nur ein Drittel der 1.400 Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten in Japans Hauptstadt. Dadurch wurde der landesweite Lohndurchschnitt als zu niedrig ausgewiesen. In der Folge erhielten 20 Millionen Empfänger von Arbeitslosengeld insgesamt 56,8 Milliarden Yen (451 Millionen Euro) zu wenig. Als Ursache wurde ein Computerfehler identifiziert. Allein dessen Korrektur soll eine halbe Million Euro kosten.

Zugleich musste die Regierung einräumen, dass die Löhne im Vorjahr nur um 2,8 Prozent gestiegen sind. Zuvor hatte Premierminister Shinzo Abe das Lohnwachstum von 3,3 Prozent als das höchste seit fast 22 Jahren gerühmt. Daher attackierte die Opposition die Regierungskoalition aus Liberaldemokraten und Komei-Partei dafür, dass ihre Wirtschaftspolitik Abenomics, die auch auf steigende Löhne zur Bekämpfung der Deflation setzt, gescheitert sei. Sie schürte den Verdacht, das Lohnwachstum sei absichtlich höher angegeben worden.

Premier Abe wies laut japanischen Medienberichten die Vorwürfe zurück. Er habe sich nicht allein auf Daten zum Arbeitsmarkt verlassen, sagte er im Parlament. Dennoch kommt ihm der Skandal ungelegen. Die Hälfte der Arbeitnehmer, die zu wenig Arbeitslosengeld erhielten, lässt sich mangels Adressen nicht mehr ausfindig machen. Zudem haben Beamte den Missstand offenbar fünf Jahre lang verschwiegen. Diese Umstände könnten Abes Koalition bei der Neuwahl des Oberhauses im Juli einige Stimmen kosten.

Unzuverlässige Daten

Damit nicht genug: Nach der peinlichen Panne wurde die Erhebung weiterer ökonomischer Schlüsselindikatoren unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, dass 40 Prozent der 56 wichtigsten Datenreihen fehlerhaft sein könnten. Allerdings dürfte Japan-Analysten dies kaum überraschen. Japanische Daten gelten als notorisch unzuverlässig. So werden etwa die vierteljährlichen Schätzungen des Bruttoinlandsprodukts regelmäßig teilweise kräftig korrigiert.

Die falsche Datengrundlage hat auch die japanische Notenbank alarmiert. Ihre Statistiker verwenden die Arbeits- und Lohndaten, um die Output-Lücke als weitest möglichen Indikator der Deflation zu berechnen. Die Entwicklung dieser Lücke beeinflusst die geldpolitischen Entscheidungen der Währungshüter. Aber nach Angaben eines Sprechers will die Notenbank zunächst die offizielle Untersuchung der fehlerhaften Datenerhebung abwarten.

Foto: Aktiver Vulkan Aso in Kyushu (Pixabay CC0)