Tokio (JAPANMARKT) – Ein Dialogforum von hochrangigen Wirtschaftsvertretern aus Deutschland und Japan hat anlässlich des Japan-Besuches von Kanzlerin Angela Merkel das starke Interesse an einer intensiveren Kooperation insbesondere bei Zukunftstechnologien hervorgehoben.

Ausweitung des Dialogs

Das deutsch-japanische Wirtschaftsforum „Wertepartnerschaft: Perspektiven im Lichte globaler Herausforderungen“ wurde von Ulrich Nussbaum, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, und Hiroyuki Ishige, Chairman und CEO der Japan External Trade Organisation (JETRO), eröffnet. Organisatoren der Veranstaltung waren die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (AHK Japan) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

In seiner Eröffnungsansprache kündigte Wirtschafts-Staatssekretär Nussbaum an, den deutsch-japanischen Dialog vor allem auf Zukunftsfeldern zu verstärken. „Unsere zukünftige Kooperation in den großen Zukunftstechnologien spielt eine entscheidende Rolle für unsere gemeinsame Zukunft, nur durch mehr Kooperationen können wir mehr bewegen und erreichen“, sagte Nussbaum. „Dabei haben wir keine Zeit zu verlieren.“

Die Bundesregierung sei unter anderem an einer Ausweitung des Dialogs beim automatisierten und vernetzten Fahren, etwa bei der Standardisierung, sowie an einer Vereinbarung über eine intensivere Zusammenarbeit in der Raumfahrt interessiert. Auch die Strategie der japanischen „Society 5.0“ als Antwort auf den demografischen Wandel sei speziell für Deutschland sehr interessant.

Starkes Interesse an Deutschland

JETRO-Chef Ishige ging in seiner Ansprache auf die Bedeutung des Freihandelsabkommens zwischen Japan und der Europäischen Union ein, das am vergangenen Freitag in Kraft getreten war. Dieses sei eine Botschaft an die Welt, sagte Ishige. Das japanische Interesse am EU-Markt sei so hoch wie nie zuvor. Dafür hätten sich 1.700 Unternehmen bei JETRO registriert, viele davon wollten auf den deutschen Markt.

Noch konkreter plädierte Ishige für eine enge Kooperation mit Jungunternehmen. „Start-ups können die Gesellschaft transformieren“, meinte der JETRO-Chef. „Daher sollten wir die Dynamik von Start-ups in beide Richtungen nutzen.“ JETRO hat bereits einen Start-up-Hub in Berlin gestartet. Vergangene Woche habe es Gespräche für einen Hub in München gegeben. Eine 100-köpfige Delegation reise zwecks Kooperationen mit Start-ups demnächst nach Düsseldorf, berichtete Ishige.

Panel 1 zu globalen Entwicklungen mit AHK Japan-Chef Marcus Schürmann in der Mitte

Panel zu globalen Entwicklungen

Anschließend legten Top-Manager von mehreren der bedeutendsten Unternehmen in Deutschland und Japan ihre Perspektiven zu aktuellen globalen Entwicklungen sowie Innovationen dar. Dazu fanden zwei Panel-Diskussionen statt, die von Marcus Schürmann, Delegierter der Deutschen Wirtschaft und Geschäftsführer der AHK Japan, moderiert wurden. Das erste Panel zu den Perspektiven von globalen Entwicklungen deckte die aktuellen politischen Entwicklungen ab.

Tetsuji Ohashi, Chef des Baumaschinenriesen Komatsu, lobte den Zeitpunkt für das Freihandelsabkommen. „Japan und Deutschland sollten ihre begrenzten Ressourcen voll nutzen und dabei auch Daten einsetzen“, sagte Ohashi unter Verweis auf 60.000 Komatsu-Maschinen in Deutschland, die alle fünf Minuten Daten an ihre Zentralen übermittelten.

Julia Schnitzler, Geschäftsführerin von Strassburger Filter, einem mittelständischen Hersteller von Reinigungsanlagen unter anderem für Blutplasma, lobte das Abkommen ebenfalls. Japan sei ein wichtiger Markt für kleine und mittlere Unternehmen, sagte sie. Zölle seien allerdings nicht alles, man könne auch mit Alleinstellungsmerkmalen in einem Markt erfolgreich sein.

Joe Kaeser, Chef von Siemens, verwies auf die deutschen Erfahrungen mit erneuerbaren Energien und nannte Wasserstoff und Batterietechnik als Kooperationsfelder. „Wenn man einen gemeinsamen Nenner hat, dann kann man die Zähler addieren“, sagte Kaeser. Aus eins und eins könne dann sogar drei werden.

Hideaki Omiya, Chef von Mitsubishi Heavy Industries und Vorsitzender der Japan Machinery Federation, verwies auf seine lange Beziehung zu Kaeser. „Das Vertrauen zwischen Japan und Deutschland ist weiter gestiegen und dies wird sich (über den Maschinenbau hinaus) auf weitere Branchen ausdehnen“, sagte Omiya vorher.

Panel 2 zu Innovationen auf dem deutsch-japanischen Dialogforum

Panel über Innovationen

In der zweiten Manager-Runde auf dem Dialogforum standen Innovationen und Technologien im Zentrum. Bayer-Chef Werner Baumann nannte Smart und Precision Farming als neue Möglichkeiten, mit Hilfe von Technologien die Produktivität der Bauern zu steigern. Dafür schließe Bayer individuelle Abkommen mit den Landwirten, damit ihre persönlichen Daten gleichzeitig geschützt sind und anonymisiert ausgewertet werden können.

Stefan Vilsmeier, Chef von Brainlab, thematisierte die gewaltigen Chancen von Deutschland und Japan in der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft. „Dieses Feld ist noch nicht von den USA und China besetzt“, sagte Vilsmeier. Deutschland und Japan sollten dafür ein Facebook der künstlichen Intelligenz etablieren, da man die besten Ärzte und hervorragende Pharmahersteller habe und führend in der Diagnostik sei.

Hiromichi Shinohara, oberster Manager des Telekomriesen NTT, konstatierte die zögerliche Bereitschaft vieler Japaner, ihre persönlichen Daten offenzulegen. „Die Botschaft (des Datenschutzes) ist noch nicht verbreitet, so dass viele Menschen ihre Informationen lieber verstecken“, sagte Shinohara. Es brauche ein klares Signal, dass sich jeder sicher fühle.

Junji Tsuda, Chef des Roboterherstellers Yaskawa und Vorsitzender der International Robotic Federation, dämpfte die Erwartungen an einen schnellen Siegeszug von Robotern in der Altenbetreuung. „Roboter sind stark und können beim Heben helfen, aber Menschen sind freundlich“, sagte Tsuda. Diese beiden Aspekte sollten gut verbunden sein.

Katsumi Emura, Chief Technology Officer von NEC, unterstrich, dass die Anwendung von künstlicher Intelligenz ein spezifisches Wissen voraussetze. Erst dadurch würden neue Ökosysteme entstehen. Als Felder für eine Zusammenarbeit mit Deutschland nannte er die Gesundheit, das Horizon-Projekt der EU (mit Forschungsgeldern für Nicht-EU-Staaten wie Japan) und die Forschungszusammenarbeit von NEC mit einem Krankenhaus in Heidelberg.

Fotos: © AHK Japan