Tokio (JAPANMARKT) – Japan hat nur die USA als Sicherheitspartner. Aber im US-Handelskonflikt mit China kann Japan die USA nur schwer unterstützen.

Ökonomische Ties

„Wir können uns China nicht zum Feind machen, denn ohne China kann Japan nicht existieren.“ So offen wie kein Japaner zuvor hat Hiroaki Nakanishi die Wahrheit über die wirtschaftliche Abhängigkeit Japans von China ausgesprochen.

Bezogen auf den US-Handelskonflikt mit Sonderzöllen auf chinesischen Produkten sagte Nakanishi in einem Interview mit dem Wall Street Journal: „Vielleicht können die USA das machen, aber in Japan würde das nicht funktionieren.“

Seine Aussagen haben großes Gewicht: Als heutiger Chairman und früherer Sanierer von Japans größtem Mischkonzern Hitachi sowie als aktueller Vorsitzender der größten Wirtschaftslobby Keidanren gehört Nakanishi zu Japans Top-Managern.

Sicherheitspolitisch bleiben die USA der wichtigste Partner von Japan. Ohne die Offensivkapazitäten und den Atomschutzschild der Vereinigten Staaten kann sich Japan nicht verteidigen. Aber wirtschaftlich gesehen ist der Nachbar China der wichtigste Partner geworden.

Wichtigster Absatzmarkt

2018 importierte China für 146 Milliarden Dollar Waren aus Japan. Das waren knapp sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Für weitere 35 Milliarden Dollar gingen japanische Produkte nach Hongkong. Damit war China Japans größter Absatzmarkt.

Während der Finanzkrise trugen Chinas Konjunkturprogramme dazu bei, dass Japans Wirtschaft sich ohne viele eigene Stimuli stabilisieren konnte. Aber auch den doppelten Abschwung in China bekommen Japans Unternehmen nun zu spüren.

Erstens zögern die Chinesen neuerdings beim Konsum, unter anderem wegen fallender Immobilienpreise. Der Automarkt zum Beispiel ist erstmals seit 28 Jahren geschrumpft. Zweitens zögert das produzierende Gewerbe, wegen der Unsicherheit durch die Sonderzölle, Investitionen in Maschinen hinaus. Beide Trends treffen Japan.

China-Schwäche trifft Japan

Das beweisen die neueste Geschäftszahlen: Sechs große Apple-Zulieferer aus Japan kürzten ihre Ertragsprognosen um insgesamt eine Milliarde Dollar. Hauptgrund: Apple verkauft weniger Smartphones in China. Bei Fanuc, dem weltgrößten Hersteller von Industrierobotern, sackte der Quartalsgewinn um mehr als zwei Fünftel, weil chinesische Hersteller weniger Aufträge erteilten.

Der Elektronikriese Sharp senkte seine Prognose ebenfalls unter Berufung auf die Folgen des Handelskonfliktes. Auch Nidec als ein anderer Technologieriese, Spezialist für elektrische Motoren aller Größen, senkte den Ausblick um ein Viertel. Auch dies wurde mit einem Einbruch der Bestellungen aus China begründet.

In dem Zeitungsinterview empfahl Keidanren-Chef und Hitachi-Chairman Nakanishi den USA, China nicht nur unter den Aspekten Handelsdefizit und Technologietransfer wahrzunehmen. Gleichzeitig gestand der Manager, er wolle dies lieber nicht allzu laut sagen. Sonst gäbe es US-Sonderzölle womöglich auch gegen Japan.

Foto: Chinatown in Yokohama (flickr/Ted McGrath CC BY-NC-SA 2.0)