Tokio (JAPANMARKT) – Heute vor 20 Jahren setzte die Bank of Japan den Leitzins erstmals auf null. Damit wurde Japan zum globalen Pionier der Geldpolitik.

Unter Druck

Am 12. Februar 1999 lief die Asien-Finanzkrise noch, der Yen hatte in einem halben Jahr stark aufgewertet und die 10-jährige Anleiherendite verdoppelte sich in drei Monaten. Die Regierung verlangte hinter den Kulissen Gegenmaßnahmen. Also senkte die Bank of Japan (BoJ) den Zinssatz für Übernachteinlagen der Geschäftsbanken erstmals auf 0,0 Prozent.

Damit betrat die BoJ weltweit geldpolitisches Neuland. Schon knapp zwei Jahre später flutete sie mit dem ersten Programm einer quantitativen Lockerung – dem Quantitatitve Easing (QE) – das Bankensystem mit Geld und wurde erneut zum globalen Vorreiter.

Kein Sonderweg

Zunächst galt ihr Vorgehen als extremer, spezifisch japanischer Sonderweg. Doch als Reaktion auf die Große Finanzkrise griffen ab 2008 die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank (EZB) zu den gleichen Mitteln.

Aber ab 2013 drehte der neue BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda die Geldhähne noch viel weiter auf. Kürzlich überstieg die BoJ-Bilanzsumme erstmals die Wirtschaftsleistung. Nur beim Negativzins ließ sich Kuroda von der EZB übertreffen.

Kombination besser

Zwanzig Jahre dieser Extrempolitik halten einige Lektionen bereit. Inzwischen ist klar, dass ein Null- oder Negativzins zusammen mit QE-Kaufprogrammen allein die Deflation nicht beseitigen und die Wirtschaft nicht ankurbeln kann. Besser scheint der Nullzins in Kombination mit einer expansiven Fiskalpolitik zu wirken.

Eine weitere Lektion eines dauerhaften Nullzinses besteht darin, dass das Billiggeld in unerwünschte Kanäle fließt. Privatanleger in Japan nutzen es für Anlagen in Immobilien und Fremdwährungen. Viele Unternehmen finanzieren damit Zukäufe im Ausland. Dazu haben sich die Verbraucher an stagnierende Preise gewöhnt und lehnen Inflation grundsätzlich ab.

Schwieriger Exit

Die dritte Lektion besteht darin, den Leitzins nicht verfrüht anzuheben. Zwei Mal machte die BoJ – 2000 nach anderthalb und 2006 nach sechs Jahren Nullzins – diesen Schritt, nur um den Leitzins wenig später zurück auf null zu drehen. Im Ausstieg liegt denn auch das fundamentale Problem des Nullzinses.

Die BoJ will Unternehmen und Haushalte mit dem Billiggeld dazu verführen, mehr Kredite aufzunehmen, zu konsumieren und zu investieren, so dass die Löhne und Preise steigen. Dann könnte die Volkswirtschaft in ihren Regelzyklus zurückkehren und die Notenbank sich wieder auf die Geldwertstabilität konzentrieren.

Doch der erhoffte Tugendkreis ist in Japan bis heute nicht zustande gekommen. Daher könnten noch einige Jahre Nullzins folgen.

Foto: Bank of Japan (Wikipedia CC0)