Tokio (JAPANMARKT) – Dass erfolgreiche Teenager-Bands Probleme mit dem Erwachsenwerden haben, ist wenig überraschend. Aber in Japan hat das Ganze eine spezielle Note.

Auflösung oder Pause

Vor rund drei Jahren löste sich Japans erfolgreichste Band „SMAP“ (Sports Music Assemble People) auf. Einige ihrer fünf Mitglieder waren des Lebens als J-Pop-Stars überdrüssig geworden. Nach mehr als 25 Jahren Existenz löste sich SMAP Ende 2016 auf.

Ihr ungekrönter Nachfolger war die Band Arashi (Japanisch für Sturm). Vor wenigen Wochen verkündete jedoch auch der Sprecher der Band, Satoshi Ono, dass man eine Pause einlegen werde. Viele Fans befürchten nun, dass auch Arashi nicht wieder zurückkommt und sich auflöst.

Agentur bestimmt Image

Beide Bands sind die Kreation von Japans mächtigster Künstleragentur Johnny & Associates. Diese Agentur hat ungleich mehr Macht über ihre Künstler als jede andere Agentur in westlichen Industriestaaten – und sie ist laut Insider-Informationen auch mehr an den Einnahmen beteiligt.

Der Grund: Die japanischen Bands sind Kunstprodukte. Ihre Mitglieder werden so gecastet, dass sie unterschiedliche Sehnsüchte und Wünsche des Publikums bedienen. Sie müssen singen können und eine Ausstrahlung haben, aber werden mit ihrer Band als Gesamtprodukt vermarktet.

In ihren Verträgen unterwerfen sich die Bandmitglieder regelrecht ihrer Agentur. So müssen sie zum Beispiel darauf verzichten, private Partner zu haben, damit sie eine bessere Projektionsfläche für die Wünsche ihrer weiblichen oder männlichen Fans abgeben.

Lukrative Belohnung

Die Belohnungen für diesen Verzicht sind – etwa bei SMAP und Arashi – eigene Fernsehshows, lukrative Werbeverträge und spannende Schauspielrollen in wichtigen Spielfilmen und Serien. Die Kehrseite besteht darin, dass eigene Wünsche unterdrückt werden, damit die perfektionierte Darstellung nach außen nicht gestört wird.

Berücksichtigt man, dass die Mitglieder solcher Gruppen ihre Karriere bereits als Teenager begonnen haben, haben die Sänger von Arashi und SMAP mit mehr als zwei Jahrzehnten die Unterordnung in Agenturvorgaben recht lange ertragen. Aber irgendwann wird der Wunsch nach Individualität wohl auch in Japan zu groß.

Statt pubertären Auflehnen kam es nun offenbar bei beiden Bands zu einer verfrühten Midlife-Krise, die in einer Auflösung oder kreativen Pause mündete. Am Ende wurde die Distanz zwischen dem starren Image als „Idol“ – wie Japans Popstars heißen – und dem nach Freiheit hungernden Individuum eben doch zu groß.

Foto: Band SMAP in jungen Jahren (Wikipedia CC BY 2.0)