Tokio (JAPANMARKT) – Der Anteil der erwerbstätigen Frauen in Japan ist deutlich gestiegen. Dies allein reicht für bessere Aufstiegschancen der Frauen jedoch nicht aus.

Mehr erwerbstätige Frauen

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar verkündete Japans Regierungschef Shinzo Abe stolz, zwischen 2015 und 2018 sei die Zahl der erwerbstätigen Frauen in Japan um zwei Millionen gestiegen. Fast 70 Prozent der Frauen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren hatten 2018 einen bezahlten Arbeitsplatz inne.

Doch damit sollte sich Premier Abe nicht zufriedengeben, meinte jetzt Nobuko Kobayashi von der Unternehmensberatung EY-Parthenon. Ihre Begründung lässt aufhorchen: Die Qualität der neuen Frauenjobs sei im Schnitt zu niedrig, als dass sie Kind und Karriere kombinieren könnten. Nur dies werde jedoch Japans Wirtschaft mittel- und langfristig helfen.

Starker Lohnabstand

Ihre These belegt sie durch Zahlen: Nur 44 Prozent der erwerbstätigen Frauen hatten im Jahr 2017 einen „regulären“ Job, aber 78 Prozent der Männer. 73 Prozent der 850.000 Frauen, die 2018 eine Erwerbsarbeit aufnahmen, bekamen nur einen „irregulären“ Job, also als Zeitarbeiterin in Vollzeit oder Teilzeit.

Diese irregulären Jobs sind viel schlechter bezahlt als reguläre Arbeitsstelle mit Festanstellung. Das Ergebnis: Frauen verdienten 2017 in Japan im Schnitt 24,5 Prozent weniger als Männer. Dadurch hat die vermehrte Erwerbsarbeit von Frauen die unerwünschte Folge, das durchschnittliche Lohnniveau zu drücken und dabei der Deflation Vorschub zu leisten.

Getrennter Arbeitsmarkt

Als Lösung schlägt Kobayashi vor, die bisherige Trennung in reguläre und irreguläre Jobs aufzuheben. Dann könnten die Festangestellten zwischen Teilzeit und Vollzeit wechseln und die Frauen nach der Geburt eines Kindes früher ins Arbeitsleben zurückkehren. Dazu muss man wissen, dass Festangestellte in Japan fast immer Vollzeit arbeiten müssen. Teilzeit bedeutet also Zeitarbeit.

Die Zulassung von festangestellten Teilzeitkräften und die Wechselmöglichkeiten zwischen Teilzeit und Vollzeit auf derselben Arbeitsstelle würden nicht nur Paaren die Kinderbetreuung erleichtern. Sie vergrößert nach Einschätzung der Beraterin Kobayashi auch innerhalb eines Unternehmens den Pool für die Auswahl von weiblichen Managern.

Die Regierung von Shinzo Abe strebte zunächst einen Frauenanteil von 30 Prozent für Managementpositionen bis 2020 an. Doch die Vorgabe hat sie inzwischen auf zehn Prozent verringert. Dies war vor allem der Einsicht geschuldet, dass es in vielen Unternehmen schlicht zu wenige festangestellte Frauen mit genügend Berufserfahrung gibt.

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