Tokio (JAPANMARKT) – Honda will in Europa schon bald keine Autos mehr produzieren. Die Ursachen dieser Entscheidung sind komplex und haben eine lange Vorgeschichte.

7.000 Jobs auf der Kippe

Der drittgrößte japanische Autobauer Honda schließt 2021 sein Werk im englischen Swindon 115 Kilometer nordwestlich von London. Dort hatte Honda ab 1989 Motoren und ab 1992 Fahrzeuge gebaut. 3.500 Arbeitsplätze sind direkt und 3.500 Arbeitsplätze bei Zulieferern betroffen.

Das Aus für die einzige Fertigungsstätte in Europa habe nichts mit dem baldigen Austritt von Großbritannien aus der EU zu tun, wurde Konzernchef Takahiro Hachigo in Medienberichten zitiert. Vielmehr werde das weltweite Fertigungsnetzwerk umgebaut, hieß es.

Die offizielle Pressemitteilung stellte zudem einen Zusammenhang mit dem Wechsel zum Elektromotor her. Tatsächlich will Honda im Jahr 2030 mehr als zwei Drittel seiner Fahrzeuge in einer elektrifizierten Version verkaufen. Dafür lassen sich die Japaner von Contemporary Amperex Technology aus China, die gerade in Erfurt eine Fabrik bauen, mit Akkus beliefern.

Reaktion auf Handelsabkommen

Nach Ansicht von Analysten reagiert Honda vor allem auf das Freihandelsabkommen zwischen Japan und der Europäischen Union, das seit dem 1. Februar gilt. Dadurch sinkt der Importzoll für japanische Autos von aktuell zehn Prozent bis 2027 auf null. Dann kann Honda in Japan produzierte Fahrzeuge in die EU zollfrei importieren.

Ein zweiter Grund für Honda, Europa künftig aus der japanischen Heimat zu beliefern, ist das schwache Abschneiden auf dem europäischen Markt. Bereits 2014 wurde eine der zwei Produktionslinien in Swindon vorübergehend eingemottet. Aktuell werden auf nur einem Band 160.000 Fahrzeuge des Brot-und-Butter-Modells Civic gebaut.

Hinausgeschobene Entscheidung

Doch in Europa besteht für diese Menge schon lange kein Bedarf mehr. Dort liegt der Marktanteil von Honda bei rund einem Prozent. Daher wird in Swindon für den Export in die USA und nach Japan gebaut. Das sind zwar 10 Prozent der britischen Autoproduktion, liegt jedoch weit unter der Werkskapazität von 250.000 Stück.

Japanische Unternehmen streichen Arbeitsplätze nur in allergrößter Not. Nach Ansicht des Bürochefs der Financial Times in Japan nutzt Honda den Brexit aus, um den Schritt endlich zu machen. Die Entscheidung sei lange verschoben worden. Nun gebe es eine Chance zum Handeln, da der Brexit die Importkosten von Autoteilen erhöhe und den EU-Zugang verringern könnte.

Foto: Honda-Händler in West-Swindon (Wikipedia CC BY-SA 2.0)