Tokio (JAPANMARKT) – Fast dreißig Jahre nach dem Ende der sogenannten Blasenwirtschaft sind bestimmte Immobilien in Japan fast wieder so teuer wie damals. Die Ursachen sind vielfältig.

Nahe Blasenniveau

Die Angebotspreise für neue Eigentumswohnungen, in Japan „mansion“ genannt, sind laut dem Real Estate Economic Institute 2018 auf durchschnittlich 2,87 Millionen Yen (22.960 Euro) pro Tsubo gestiegen. Das entspricht 6.958 Euro je Quadratmeter und liegt knapp unter dem historischen Höchst von 3,08 Millionen Yen Ende der 1980er Jahre.

Die Finanzzeitung Nikkei nutzte dies für eine Warnung. Die ultralockere Geldpolitik der japanischen Notenbank sei verantwortlich dafür, dass neue Wohnungen so teuer geworden seien. Aber diese Einschätzung ist mit Vorsicht zu genießen. So gilt dieses Preisniveau nur für den Großraum Tokio. Doch dies ist die einzige Metropole in Japan, deren Einwohnerzahl noch wächst.

Höhere Bauqualität

Zwei weitere Faktoren haben zum Preisanstieg beigetragen. Erstens werden deutlich weniger Wohnungen als etwa zur Jahrtausendwende gebaut. Weniger Angebot erhöht die Preise. Zugleich ist die Bauqualität wegen höherer Ansprüche der Verbraucher und schärferer Vorschriften für Erdbebensicherheit gestiegen.

Zweitens sind die Baukosten im Vergleich zu den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts deutlich gestiegen. Das gilt sowohl für Baumaterialien – damals war der Yen viel stärker als heute und somit Importe billiger – als auch für die Arbeitskosten, weil der Arbeitskräftemangel im Bausektor einen Anstieg der Löhne verursacht hat.

Populäre Spekulation

Allerdings ist der Vorwurf der Nikkei-Zeitung an die Bank of Japan nicht ganz von der Hand zu weisen. Das billige Geld verführt viele Verbraucher dazu, auf Kredit mit Immobilien zu spekulieren. Anders als in den 1980er Jahren gibt es heute einen Markt für „Immobilieninvestitionen“. Dabei spekulieren auch viele Hausfrauen wegen vermeintlich hoher Renditen eifrig mit.

Aus deutscher Sicht ließe sich einwenden, dass der Tokioter Quadratmeterpreis von rund 7.000 Euro von Neubauwohnungen in guten Lagen in München, Berlin, Frankfurt oder Düsseldorf leicht übertroffen werden kann. Doch dabei sollte man wissen, dass Wohnungen in Japan nicht besonders wertbeständig sind. Daher sind sie steuerlich schon nach 25 Jahren abgeschrieben.

Foto: Typische Eigentumswohnungen in Japan (Pxhere CC0)