Tokio (JAPANMARKT) – Keyence gibt Finanzanalysten seit Jahren ein großes Rätsel auf: Wie konnte das Unternehmen so lange so profitabel sein?

Konstant hohe Marge

Keyence, einer der weltweit größten Hersteller von Industriesensorik und Automatisierungstechnik und gemessen am Börsenwert Japans sechstgrößtes Unternehmen, ist phänomenal erfolgreich. In den vergangenen zwei Jahrzehnten lag die operative Marge jenseits der 40 Prozent. 2018 zum Beispiel erzielte Keyence einen Nettogewinn von 211 Milliarden Yen bei einem Umsatz von 527 Milliarden Yen (4,2 Milliarden Euro). Das entspricht genau 40 Prozent Gewinnmarge.

Zugleich hat sich laut Financial Times das Verhältnis von Forschungs- und Entwicklungsausgaben zum Umsatz in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Dies widerspricht der ökonomischen Weisheit, dass ein Unternehmen seine hohen Margen nur dann gegen die Konkurrenz verteidigen kann, wenn es seinen Gewinn ständig in die Entwicklung neuer, besserer Produkte reinvestiert.

Niedrige Investitionen

Dieser Widerspruch bei Keyence fällt um so mehr auf, wenn man die Zahlen von Keyence mit denen der Wettbewerber vergleicht. Im Geschäftsjahr 2018 gaben die Japaner nur 2,5 Prozent des Umsatzes für ihre Entwicklung aus. Bei Cognex waren es 14 Prozent und bei National Instruments 19 Prozent. Fanuc und Omron wandten nur sieben Prozent ihrer Einnahmen für Forschung und Entwicklung auf, aber verdienten auch nicht besser.

Eine Lösung dieses Rätsels könnte sein, dass die Produkte von Keyence so viel besser sind, dass das Unternehmen nicht viel investieren muss, um seinen Vorsprung zu behalten. Andererseits hortet das Unternehmen 1,4 Billionen Yen (11,2 Milliarden Euro) an Barreserven.

Keyence hätte es also nicht nötig, beim Investieren zu sparen und damit womöglich seine Marktführung zu gefährden. Das Rätsel bleibt vorerst ungelöst. Keyence redet nämlich nicht mit Analysten und beschränkt die Finanzberichte auf das Allernötigste.

Foto: Keyence