Tokio (JAPANMARKT) – Premierminister Shinzo Abe muss zum zweiten Mal einem Nordkorea-Gipfel zusehen. Diesmal fällt es ihm wohl noch schwerer.

Weniger Einfluss

Alle Akteure im Nordkorea-Konflikt haben Führer Kim Jong-un schon getroffen: Chinas Präsident Xi Jinping drei Mal, Südkoreas Präsident Moon Jae-in ebenfalls drei Mal und US-Präsident Donald Trump nun zum zweiten Mal. Nur Premier Abe bleibt als einziger Nordkorea-Nachbar außen vor – offenbar trotz Kontaktversuchen hinter den Kulissen mit Pjöngjang.

Beim ersten Gipfel in Singapur im vergangenen Juni konnte sich Abe noch einigermaßen sicher fühlen, dass japanische Interessen nicht unter den Tisch fallen. Er hatte sehr engen Kontakt mit Trump gehalten und den Präsidenten kurz vor dem Gipfel in Washington getroffen. Diesmal gab es mit Trump seit November offenbar nur ein einziges Telefonat bezüglich Nordkorea.

Japanische Sorgen

Die japanische Seite quält zwei Sorgen: Zum einen fürchtet man einen US-Deal mit Nordkorea, der die Bedrohung der Vereinigten Staaten durch Langstreckenraketen beendet, aber die Mittelstreckenraketen, die Japan erreichen können, nicht berücksichtigt. Das würde zum „America First“-Denken von Trump passen.

Zum anderen beunruhigt die Japaner, dass Trump generell die Stationierung von US-Truppen in Südkorea und Japan in Frage stellt. Ein Friedensvertrag zum Koreakrieg würde sofort die Frage aufwerfen, welche Rolle die US-Truppen in der Region künftig spielen sollen. Zudem würden die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des US-Atomschirms für Japan wachsen.

Doch Abe bleibt zum Zuschauen verdammt. Immerhin konnte der konservative Regierungschef rechtzeitig vor dem Nordkorea-Gipfel ein Signal der Loyalität zum einzigen Sicherheitspartner senden. Das Votum der Bürger von Okinawa gegen eine US-Militärbasis am Sonntag wurde von Abe zurückgewiesen. Die Bauarbeiten an der Basis gingen unbeeindruckt weiter.

Foto: Singapur-Gipfel zwischen Trump und Kim (Wikipedia CC0)