Tokio (JAPANMARKT) – Der Wechsel seines Rechtsbeistands hat sich für den abgesetzten Nissan-Chef Carlos Ghosn bezahlt gemacht. Er kommt aus der Untersuchungshaft frei.

8 Millionen Euro Kaution

Ein Bezirksgericht in Tokio gab am Dienstag dem Antrag seines neuen Verteidigers Junichiro Hironaka auf Freilassung gegen eine Kaution von 1 Milliarde Yen (7,9 Millionen Euro) statt. Zwar legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein, so dass der Ex-Chef von Renault und Nissan eine weitere Nacht im Gefängnis verbringen musste. Doch die Beschwerde wurde abgelehnt. Daher kommt Ghosn am Mittwoch nach über 100 Tagen in Untersuchungshaft auf freien Fuß.

Der Manager hat harte Sicherheitsauflagen akzeptiert, damit er Japan nicht verlassen und Beweise nicht manipulieren kann. Wegen dieser Sorge hatten Richter zwei frühere Anträge des bisherigen Anwaltsteams von Ghosn auf Haftentlassung abgelehnt. Nun hat der Manager mit libanesischen Wurzeln einer Überwachungskamera an seiner Wohnungstür, einem Aufenthalt tagsüber im Büro seines Anwalts und einem begrenzten Zugang zum Internet zugestimmt, um die richterlichen Bedenken auszuräumen. Dieses Kalkül ist aufgegangen.

Kritik an japanischer Justiz

Als weiterer Faktor könnte das internationale Ansehen der japanischen Justiz eine Rolle gespielt haben. Staranwalt Hironaka, der mehrere Prominente vor dem Gefängnis bewahrte und daher den Beinamen „Rasierer“ trägt, hatte die Gerichte dafür kritisiert, dass sie diejenigen Beschuldigten durch eine lange Inhaftierung benachteilige, die nicht gestehen wollen.

„Wir müssen einen Freispruch von Ghosn erzielen und das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft in Japan wiederherstellen“, sagte Hironaka am Montag. Daran ist auch die Regierung interessiert, die Japan für ausländisches Kapital und Personal öffnen will. Doch die monatelange Inhaftierung von Ghosn hat potenzielle Investoren und Manager von einem Engagement in Japan abgeschreckt.

Verbesserte Chancen

Mit einer Freilassung steigen die Chancen von Ghosn auf eine erfolgreiche Verteidigung, da er sich nun uneingeschränkt mit seinen Anwälten beraten kann. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Börse nicht über sein ganzes Einkommen informiert und Geld von Nissan veruntreut zu haben.

Dagegen vertritt sein neuer Anwalt Hironaka die Ansicht, Nissan hätte die Vorwürfe intern klären müssen. Dass der Autobauer die Justiz eingeschaltet habe, sei sehr eigenartig, meinte der Anwalt. Damit stützte Hironaka die Behauptung von Ghosn, die Anklagen seien ein Komplott gegen ihn.

Foto: Ghosn-Anwalt Hironaka am Montag im Klub der Auslandskorrespondenten Japan (© FCCJ via Twitter)