Tokio (JAPANMARKT) – Die Amtszeit von Koji Nagai an der Spitze von Nomura geht in eine unerwartete Verlängerung. Die Begründung ist etwas skurril.

Sieben Amtsjahre

Der 60-Jährige bleibt Gruppen-CEO und Präsident von Japans größter Investmentbank. Das ist doppelt ungewöhnlich: Eigentlich wechselt Nomura spätestens nach sieben Jahren den Chef aus. Aber Nagai ist schon seit 2012 im Amt. Auch die Begründung fällt auf. Das Auswahlkomitee meinte laut Finanzzeitung Nikkei, dass die aussichtsreichsten Nachfolger nicht erfahren genug seien.

Dabei ist Kentaro Okuda, Chef des Amerika-Geschäfts, bereits 55 und Toshio Morita, Präsident der Brokereinheit Nomura Securities, schon 57 Jahre alt. Angeblich hatte Nagai vor, das Zepter an die nächste Generation weiterzureichen, aber das Komitee sei anderer Meinung gewesen.

Okuda wird von New York nach Tokio zurückkehren und soll als Vizepräsident der Gruppe das kränkelnde Wholesale-Geschäft restrukturieren. Satoshi Arai (53) übernimmt die Retail-Sparte und Junko Nakagawa (53) tritt als erste Frau an die Spitze der Vermögensverwaltung von Nomura.

Turnaround läuft noch

Es gibt womöglich noch einen anderen Grund für den Verbleib von Nagai. Noch vor einem Jahr sah seine Bilanz makellos aus. Die verwaltete Vermögenssumme wuchs in seiner Amtszeit um knapp die Hälfte auf über 110 Billionen Yen (873 Milliarden Euro). Zugleich erzielte Nomura im Ausland nach langer Durststrecke einen Gewinn. Doch dann ging es unerwartet bergab.

Im auslaufenden Geschäftsjahr erwartet Nomura den ersten Nettoverlust seit der Finanzkrise, weil der Goodwill der Zukäufe des Asien-Geschäfts von Lehman Brothers und des US-Händlers Instinet um 81,4 Milliarden Yen (646 Millionen Euro) verringert wurde. Der vermeintlich abgeschlossene Turnaround, der durch Entlassungen in Europa gekennzeichnet war, soll nun unter Nagai weitergehen.

Foto: Vermögensverwaltung von Nomura (Wikipedia BY 2.5)