Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Regierung tut mehr für Frauen. Auch kleinere Unternehmen müssen sich jetzt eine Quote für weibliche Führungskräfte setzen.

Viele Zeitarbeiterinnen

Die stärkere Beteiligung der Frauen am Erwerbsleben in Japan gehört zu den wichtigsten Zielen der Regierung von Premierminister Shinzo Abe. Aber das Projekt kommt nur langsam voran. Die Zahl der weiblichen Erwerbstätigen ist zwar gestiegen, aber 56 Prozent davon hatten einen „irregulären“ Job, also eine Anstellung auf Zeit.

25 Prozent aller erwerbstätigen Frauen verdienten nur bis zu 1 Million Yen (8 000 Euro) im Jahr und 22 Prozent zwischen 1 Million und 2 Millionen Yen. Anders gesagt: 83 Prozent der weiblichen Zeitarbeiter – und damit rund 46 Prozent aller erwerbstätigen Frauen – verdient weniger als 2 Millionen Yen (16 000 Euro) im Jahr.

Hürde im Steuerrecht

Ein Grund dafür liegt im Steuerrecht für die gemeinsame Veranlagung von Ehepaaren. Sobald ein Partner unter 1,5 Millionen Yen im Jahr verdient, gilt er oder sie für die Finanzbehörde als „abhängig“. Dafür gibt es einen Freibetrag für den Hauptverdiener in Höhe von 380.000 Yen. Bei steigendem Verdienst sinkt der Freibetrag, über 2 Millionen Yen beträgt er null.

Erwerbstätige Frauen müssen bei einem Jahreseinkommen über 1,5 Millionen Yen auch in die Krankenversicherung eintreten und in die Rentenkasse einzahlen. Bleiben sie dagegen Hausfrauen, erhalten sie eine eigene Rente, ohne dass sie jemals einen einzigen Yen eingezahlt haben.

Ist der Partner festangestellt, zahlen ihm viele Unternehmen Zulagen, falls der andere Partner – ebenfalls fast immer die Frau – wenig verdient. Die Zulagen sinken, wenn der Partner zu viel verident.  Ein Ehepaar muss also gut kalkulieren, ob sich die Erwerbsarbeit der Frau überhaupt finanziell lohnt.

Mehr Aufstiegschancen

Die Regierung hatte das Verdienstlimit für die Bewilligung des kompletten Freibetrags im vergangenen Jahr von 1 Million auf 1,5 Millionen Yen erhöht. Aber die übrigen Stellschrauben des Systems wurden nicht justiert. Lieber setzt das Kabinett den Hebel jetzt woanders an: Die Frauen sollen bessere Aufstiegschancen in den Unternehmen erhalten.

Dafür hat die Regierung jetzt mehrere Gesetzentwürfe auf den Weg gebracht. Künftig müssen auch mittelgroße Unternehmen mit 101 bis 300 Mitarbeitern sich ein Quotenziel für den Frauenanteil in Führungspositionen setzen. Bisher galt dies nur für große Unternehmen mit mehr als 300 Mitarbeitern.

Solche großen Unternehmen müssen künftig ihren aktuellen Frauenanteil im Management sowie die Zahl der Frauen, die eine Baby- und Erziehungspause machen, veröffentlichen. Die Unternehmen, die diese Verpflichtung nicht einhalten, darf die Regierung durch eine Namensveröffentlichung anprangern.

Foto: Pxhere CC0