Tokio (JAPANMARKT) – Jeder erwachsene Japaner besitzt einen Namensstempel, Hanko oder Inkan genannt. Nun halten ausgerechnet die Banken den Gebrauch nicht mehr für zeitgemäß.

Bürokratie verlangt Hanko

Die Finanzinstitute in Japan stehen vor einer großen Herausforderung. Wegen der alternden Bevölkerung erweist sich ihr Netz an Filialen als zu dicht und damit zu teuer. Zugleich hat sich ihre Verwaltung noch nicht an das 21. Jahrhundert angepasst. Ihr hoher bürokratischer Aufwand erfordert, dass die Kunden die Filialen besuchen.

Jetzt haben Branchenführer Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) und die Nummer vier, Resona Bank, eine Lösung gefunden. Sie verzichten auf die Forderung, dass ihre Kunden für viele Bankgeschäfte ihren Namensstempel benutzen. Bisher sind Hanko für viele Bankgeschäfte notwendig. Stattdessen sollen sie ihre Transaktionen digital abwickeln.

Traditionsreiche Hanko

Solche Stempel wurden zuerst von Adeligen und Shogunen im frühen Mittelalter benutzt und verbreiteten sich während der Edo-Zeit zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Heutzutage sind drei verschiedene Sorten im Gebrauch – für wichtige Verträge wie Hauskauf und Heirat, der behördlich registriert wurde, für Bankgeschäfte sowie für das Abzeichnen von Quittungen an der Haustür.

Nun werden die traditionellen Schalter in jeder fünften der über 500 MUFG-Geschäftsstellen bis 2024 durch Schalter ohne Personal mit der Möglichkeit einer Videokonferenz zu einem Bankmitarbeiter ersetzt und mit einem Tablet ausgestattet. Zugleich will die Finanzgruppe die Zahl der Filialen ihrer Geschäftsbank mit traditionellen Schaltern im gleichen Zeitraum halbieren.

Auch Resona Holdings, an der die Regierung seit der Bankenkrise nach der Jahrtausendwende beteiligt ist, stellt sich auf neue, stempellose Zeiten ein. Ihre Kunden dürfen neue Konten neuerdings an allen 600 Geschäftsstellen ohne Hanko oder Inkan eröffnen.

Foto: flickr/Jason Michael CC BY-NC-SA 2.0