Tokio (JAPANMARKT) – Die Insolvenz der größten Bitcoin-Börse der Welt mit Standort Japan geht offenbar glimpflich aus. Sowohl der Gründer als auch die Anleger kommen mit einem blauen Auge davon.

Strafe auf Bewährung

Der Ex-Bitcoin-Händler Mark Karpeles ist in Tokio wegen Manipulation von Handelsdaten zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Karpeles hatte 340 Millionen Yen (2,7 Millionen Euro) Kundeneinlagen für persönliche Zwecke verwandt.

Der gebürtige Franzose bleibt jedoch auf freiem Fuß, da die Strafe auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dagegen sprach das Gericht den Chef der Bitcoin-Handelsplattform Mt. Gox vom Vorwurf der Veruntreuung frei. Dafür gebe es keine Beweise, so der Richter. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft gefordert.

Der Franzose hatte die Online-Tauschbörse 2011 gekauft. In kurzer Zeit wurde daraus der größte Bitcoin-Händler der Welt. Im Februar 2014 stellte die Plattform alle Transaktionen ein. Karpeles erklärte, Hacker hätten 850.000 Bitcoins im Wert von 48 Milliarden Yen (381 Millionen Euro) gestohlen. Kurz darauf „fand“ Karpeles 200.000 Bitcoins wieder.

Entschädigung für Kunden

Zwei Monate später wurde Mt. Gox von einem Gericht in Tokio liquidiert. Darauf meldeten weltweit fast 25.000 Kunden Ansprüche an. Auch für sie könnte die Gox-Pleite viel besser ausgehen als gedacht. Ursprünglich sollten die Geschädigten nur einen Teil ihrer Einlagen zurückbekommen und zum damaligen Yen-Wechselkurs entschädigt werden.

Jedoch wäre Karpeles dabei zum Multimillionär geworden, weil der Wert der wiedergefundenen Bitcoins seitdem stark gestiegen war. Aktuell kosten sie das Achtfache von damals.

Daher ordnete das Tokioter Bezirksgericht im Juni 2018 unerwartet einen Neustart der Liquidierung an. Insolvenzverwalter Nobuaki Kobayashi verkaufte bisher knapp ein Drittel der verbliebenen Bitcoins und erlöste mit Stand September 2018 fast 70 Milliarden Yen (555 Millionen Euro).

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