Tokio (JAPANMARKT) – Ausländische Anteilseigener von japanischen Unternehmen werden so offensiv wie nie. Aber auch einige japanische Aktionäre sind ungeduldiger als früher.

Überarbeiterter Kodex

Aktivistische Investoren legen ihren Fokus verstärkt auf Asien. Laut dem jüngsten Jahresbericht des Beraters Activist Insight stellten sie 2018 Forderungen an 111 Unternehmen in der Region. Das entsprach einer Steigerung um knapp ein Fünftel. 47 dieser Kampagnen galten Unternehmen in Japan.

Die Investoren reagierten auf eine Überarbeitung des Corporate Governance Kodex in Japan, die ihren Interessen mehr Durchschlagskraft verliehen hat. Neuerdings müssen japanische Unternehmen unter anderem Informationen über ihre Kreuzbeteiligungen veröffentlichen. Im Februar kündigte die Regierung an, dass börsennotierte Tochtergsesellschaften mehr Verwaltungsräte haben müssen, die von ihren Mutterkonzernen unabhängig sind.

Alte Verhaltensmuster

Das Feld für die aktivistischen Investoren in Japan ist groß, weil viele Top-Manager in alten Verhaltensmustern verharren. Beispiele für den Auftritt der umtriebigen Investoren gibt es mittlerweile viele. So nominierte beispielsweise in der vergangenen Woche der US-Hedgefonds King Street mit über 20 Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen eigene Kandidaten für den Verwaltungsrat von Toshiba, darunter seinen Ko-Gründer Brian Higgins. Der Hedgefonds ist mit 5,4 Prozent der viertgrößte Anteilseigner von Toshiba und verlangt einen Aktienrückkauf von 1,1 Billionen Yen (8,7 Milliarden Euro). Toshiba kauft bislang eigene Anteile für 700 Milliarden Yen zurück.

Beim Baukonzern Lixil, bekannt als Käufer des deutschen Sanitärherstellers Grohe, wollen fünf ausländische Investoren, darunter die britischen Vermögensverwalter Marathon Asset Management und Polar Capital, eine außerordentliche Aktionärsversammlung beantragen, um Chairman und CEO Yoichiro Ushioda abzusetzen. Er gehört zur Gründerfamilie eines Lixil-Vorläufers und hatte den Chefposten im Herbst unter dubiosen Umständen handstreichartig von Kinya Seto übernommen. Seto steuerte einen Sanierungskurs, der nun versandet.

Ungeduld auch in Japan

Ein weiteres Beispiel liefert die Fusion des Zulieferers Alps Electric mit ihrer Muttergesellschaft Alpine Electronics, die im Dezember von den Aktionären genehmigt wurde. Doch Oasis Management, ein Beteiligungsfonds aus Hongkong mit einem Anteil von 10 Prozent an Alpine, lehnt die Übernahme ab, weil der Kaufpreis zu niedrig sei. Vergangene Woche hat der Fonds das neue Unternehmen Alps Alpine in Tokio auf eine Entschädigung von 38,4 Milliarden Yen (305 Millionen Euro) sowie eine Annullierung der Fusion verklagt.

Der Trend hat auch japanische Aktionäre erfasst, die sich traditionell weniger in die Belange ihrer Beteiligungen einmischen. Itochu, eines der größten fünf Handelshäuser in Japan, war so frustriert vom Management ihrer Tochter Descente, einem Sportartikelhersteller mit vielen Marken, der unter anderem die Uniformen der Olympischen Winterspiele liefert, dass man den Aktionären ein lukratives Übernahmeangebot machte, um den eigenen Anteil von 30 auf 40 Prozent zu erhöhen. Dies wurde am vergangenen Freitag mit Hilfe eines chinesischen Ankeraktionärs erreicht.

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