Zu den Olympischen Spielen 2020 will sich Nippon als Technologie-Hub präsentieren. In dem Mobilfunkstandard 5G sieht Japan einen Motor für die Entwicklung von Zukunftsindustrien.

Von Dr. Jürgen Maurer

 

Japans Telekommunikationsanbieter haben ein Ziel vor Augen: Bis zu den Olympischen Sommerspielen in Tokio im Jahr 2020 sollen funktionierende 5G-Netze zumindest in der Hauptstadt vorhanden sein. Die Vorbereitungen dafür sind angelaufen. Daraus ergeben sich neue Geschäftschancen nicht nur für die Anbieter von Ausrüstung, sondern vor allem auch für neue Dienstleistungen in Bereichen wie Internet der Dinge, Big Data und Künstliche Intelligenz.
Bis Ende Februar 2019 können sich die Telekomanbieter um die erforderlichen neuen Frequenzen bewerben. Im März 2019 will das Ministerium für Innere Angelegenheiten und Kommunikation (MIC) die Verteilung vornehmen. Nach der Testphase für 5G-Ausrüstung im Verlauf dieses Jahres wollen die japanischen Telekomkonzerne im Jahr darauf mit der umfassenden Einführung von Diensten beginnen.

Telekom-Infrastruktur wird modernisiert

Angesichts dieser Pläne ist eine möglichst frühzeitige Festlegung auf die zu nutzende Ausrüstung wichtig. Es werden Millionen neuer Basisstationen, Zellen, Antennen, Modems und Datenspeicher benötigt – ein bereits jetzt umkämpfter Milliardenmarkt. Gemäß Angaben des schwedischen Ausrüstungsherstellers Ericsson wird der globale Datenverkehr bis Ende 2024 um das Fünffache steigen. In Japan dürfte der Datenverkehr mindestens gleich stark zulegen.
Allein in die grundlegende Infrastruktur für den neuen Mobilfunkstandard werden Milliarden investiert werden müssen. Der Telekom-Riese NTT Docomo hat angekündigt, zwischen den Fiskaljahren 2020 und 2024 (jeweils 1. April bis 31. März) umgerechnet rund 9 Milliarden US-Dollar für den Ausbau der eigenen Infrastruktur vorzusehen.
Ausgaben in gleicher Höhe plant der Telekom-Anbieter KDDI. Rakuten Mobile, das sich in das Netz einmietet, will bis 2025 etwa 5,4 Milliarden US-Dollar investieren. Masayoshi Sons Internetund Telekom-Unternehmen Softbank plant gegenwärtig mit Investitionen für den 5G-Ausbau von weniger als 4,5 Milliarden US-Dollar.

Neue 5G-Partnerschaften entstehen

Dabei werden die Karten für die Ausrüstungshersteller in Japan neu gemischt. Fujitsu und Ericsson haben Ende Oktober 2018 angekündigt, eine strategische Partnerschaft für das 5G-Zeitalter einzugehen. Sie wollen in Japan das Angebot an 5G-Netzwerklösungen wie auch an entsprechenden Diensten gemeinsam entwickeln. Eine Zusammenarbeit in anderen Ländern wird nicht ausgeschlossen.
Etwa zeitgleich gaben auch NEC und Samsung bekannt, dass sie im 5G Bereich enger zusammenarbeiten wollen. Die jeweilige Erfahrung in IT- und 5G-Technologie soll genutzt werden, um die Erfordernisse der Telekommunikationsanbieter besser bedienen zu können. Im Mittelpunkt steht die kommerzielle Einführung von 5G in Japan wie auch in den USA.
In Japan sind NEC und Fujitsu wichtige Ausrüstungsanbieter. Auf internationaler Ebene spielen sie jedoch laut dem Marktforschungsinstitut MCA eine geringe Rolle. Im Segment Basisstationen beispielsweise kommen die beiden Unternehmen jeweils gerade auf ein Prozent Weltmarktanteil. In diesem Bereich hat sich international bereits das chinesische Unternehmen Huawei als einer der größten Anbieter etabliert.

5G-Infrastruktur ist sicherheitsrelevante Technologie

Softbank hatte beim Aufbau seines 4G-Netzes auf Huawei gesetzt. Bei der Einrichtung von 5G-Netzwerken soll dieser – wie auch andere chinesische Anbieter – jedoch nicht zum Zuge kommen. Darauf haben sich Ende 2018 die drei etablierten Telekommunikationsanbieter NTT Docomo, Softbank und KDDI sowie der Branchenneuling Rakuten verständigt.
Die japanische Regierung hatte vorher bereits angekündigt, Huawei und andere chinesische Unternehmen aus Sicherheitsgründen nicht bei öffentlichen Ausschreibungen zu berücksichtigen. Dadurch wird zwar das potenzielle Ausrüstungsangebot geringer, aber die Absatzchancen für Produkte japanischer und anderer Hersteller steigen.

Investitionsschub in Aussicht

Dabei besteht nicht nur bei der technologischen Infrastruktur der Telekomkonzerne ein Modernisierungsbedarf. Zudem müssten viele japanische Unternehmen ihre Informationstechnologie auf den neuesten Stand bringen, um Big Data und andere neue Technologien anwenden zu können. Laut dem Ministerium für Wirtschaft und Industrie (METI) verwenden die meisten Unternehmen ihre IT-Budgets überwiegend, um bestehende Systeme aufrechtzuerhalten.
Durch die Bereitstellung einer hochmodernen Infrastruktur wollen Japans Telekommunikationskonzerne ihre Umsätze durch höhere Datenübertragung und mehr Dienstleistungsangebote ausweiten. NTT Docomo zum Beispiel erwartet, dass sich die Umsätze in diesem Unternehmenssegment innerhalb von drei Jahren verdoppeln werden und den Einnahmenrückgang aus dem Mobilkommunikationsgeschäft kompensieren können. Denn die Telekomanbieter müssen, wie vom Gesetzgeber vorgegeben, ihre Raten für Privatkunden senken.

5G soll neue Dienstleistungen fördern

Die Strategie ist, mit einer Vielzahl von Unternehmen zusammenzuarbeiten. Bereits 2018 hat NTT Docomo ein entsprechendes „5G Open Partner Program“ gestartet. Es bietet Unternehmen die Möglichkeit, in einem kostenlosen Testumfeld auf Basis von 5G-Standards neue Dienstleistungen zu entwickeln. Mehr als 2.000 Firmen sollen gegenwärtig damit experimentieren.
Mit Partnerprogrammen für die 5G-Vorbereitung sind auch die anderen Telekomanbieter aktiv. Bei KDDI läuft die Zusammenarbeit unter dem Namen „KDDI Digital Gate“. Softbank zielt mit seiner Initiative „Beyond Carrier“ auf die Anwendungsentwicklung des Internets der Dinge und der Künstlichen Intelligenz ab, die sehr stark von der Verfügbarkeit von 5G abhängen.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im JAPANMARKT Nr. 1/2019.

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