Tokio (JAPANMARKT) – Japans größter Paketdienst Yamato Transport kauft 500 Elektroautos von Streetscooter, einer Tochter der Deutsche Post DHL Group. Anscheinend hatten japanische Autobauer nichts Vergleichbares anzubieten.

Japanischer Aufbau

Die als Rechtslenker ausgelegten E-Fahrzeuge „Made in Germany“ sollen noch im Geschäftsjahr 2019 ausgeliefert und in Betrieb genommen werden. Bei den 500 bestellten Fahrzeugen handelt es sich um den StreetScooter Work Pure. Diese Basisversion wird ohne Aufbau geliefert. Der Fahrzeugkoffer wird durch den japanischen Zulieferer Topre montiert. Wartungen und Reparaturen erfolgen durch die konzerneigene Firma Yamato Autoworks. Die Finanzzeitung Nikkei bezifferte das Auftragsvolumen auf 32 Millionen Euro.

Der Logistikdienstleister Yamato, in Japan wegen des Logos mit der schwarzen Katze und dem Baby im Maul oft „Kuroneko“ genannt, will nach eigenen Angaben sein Serviceangebot und Zustellnetz verbessern. Der Aspekt Umweltfreundlichkeit spielt auch eine Rolle. Die Abgaswerte sollen durch den Elektroantrieb sinken. Zur Flotte gehören derzeit 40.000 Fahrzeuge.

Das fast 100 Jahre alte Unternehmen kämpft mit einer Paketflut durch Online-Bestellungen und einem starken Mangel an Arbeitskräften. 2018 wurden 1,8 Milliarden Sendungen befördert. Mit dem „TA-Q-BIN“-Service können Kunden Pakete und Waren sowie Sperrgut und Gepäck an nahezu jede Adresse in Japan versenden, auch an Hotels und Flughäfen.

Streetscooter für Japan: Japanischer Aufbau auf deutschem Chassis

Verbesserter Service

„Im Rahmen der nachhaltigen Neuausrichtung der Letzte-Meile-Zustellung bestand eine große Herausforderung für uns darin, neue Zustellfahrzeuge zu entwickeln, die auch die Anliegen unserer Mitarbeiter berücksichtigen“, sagte Yamato-Präsident Yutaka Nagao bei einer Pressekonferenz in Bonn. Dafür sei Streetscooter der richtige Entwicklungspartner.

Streetscooter sieht sich durch die japanische Bestellung nun auch im internationalen Maßstab in dem Konzept bestätigt, maßgeschneiderte und branchenspezifische Fahrzeuge zu bauen. „Die strategische Kooperation mit Yamato ist ein wichtiger Schritt, den japanischen Markt für elektrische Nutzfahrzeuge zu erschließen“, erklärte Achim Kampker, CEO von StreetScooter.

Deutsche Entwicklung

In Deutschland sind 9.000 Streetscooter im Einsatz. Das Fahrzeug wurde von zwei Professoren für Produktionsmanagement an der Universität Aachen entwickelt und wird in Aachen und Düren produziert. 2014 wurde das Unternehmen von der Deutsche Post DHL Group gekauft.

Die Fahrzeuge können bis zu 300 Stopps und Anfahrvorgänge pro Tag bewältigen und bis zu 300 Tage im Jahr im Einsatz sein. Sie fahren bis zu 85 km/h schnell und verfügen über einen Elektromotor mit bis zu 48 kW Leistung.

Foto: Achim Kampker und Yutaka Nagao in Tokio (Deutsche Post DHL Group)