Tokio (JAPANMARKT) – Manche Ökonomen beurteilen Japans ökonomische Aussichten wegen der sinkenden Bevölkerung negativ. Doch auch eine alternde Nation kann eine leuchtende Zukunft haben.

Faktoren für Wachstum

Auf längere Sicht sorgen zwei Faktoren für das Wachstum einer Volkswirtschaft. Zum einen die Größe und das Wachstum der Erwerbsbevölkerung selbst – diese Phase haben im Prinzip alle Industrienationen hinter sich, vielleicht abgesehen von den USA als Einwanderungsland, zum anderen die Produktivität. Auf der Basis dieser Faktoren taxieren Ökonomen das Wachstumspotenzial der japanischen Wirtschaft auf jährlich 0,5 bis 1,0 Prozent.

Ein Anlass für Sorge ist die expansive Geldpolitik der japanischen Notenbank. Seit mehr als zwanzig Jahren unterstützt die Bank of Japan die Wirtschaft mit verschiedenen monetären Maßnahmen – vom Kauf von Staatsanleihen und Aktien bis zur Kontrolle der Zinskurve. Unter bestimmten Umständen könnte die Notenbank gezwungen sein, die geldpolitischen Zügel anzuziehen. Dann drohen die Zinsen zu steigen und die Verschuldung würde mehr belasten.

Wohlstand pro Kopf steigt

Jetzt machte Jim O’Neill, lange Zeit Chefökonom der US-Investmentbank Goldman Sachs, in einem Gastartikel für die Finanzzeitung Nikkei darauf aufmerksam, dass viele Ökonomen möglicherweise zu konventionell über Japan denken. Die Bevölkerung werde zwar bis 2050 von 127 Millionen auf 100 Millionen schrumpfen. Das nominale Bruttoinlandsprodukt könnte dann nur so groß sein wie heute. Aber je Kopf der Bevölkerung gerechnet wäre jeder Japaner ein Fünftel reicher.

Ein unterschätzter Vorteil von Japan ist nach Ansicht von O’Neill die Nähe zu China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mit anhaltendem Wachstum. Bisher profitiert Japans Wirtschaft vom Export nach China und von Touristen aus China. Künftig könnte Japan China Dienste und Wissen in urbaner Umweltverträglichkeit und nachhaltiger Infrastrukturentwicklung anbieten und dadurch weiter an Chinas Aufstieg teilhaben.

Der Ex-Chefvolkswirt, der einst das Akronym BRICS für die besten Schwellenländer erfand, identifizierte noch einen Grund für Optimismus zu Japan. Durch Digitalisierung, Roboter, neue Materialien und künstliche Intelligenz könnte die Produktivität stark steigen und damit die negative Konjunkturwirkung einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung ausgleichen. Dieser Prozess hat seiner Meinung nach bereits so stark eingesetzt, dass sich dies schon bald in steigenden Produktivitätswerten niederschlagen sollte.

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