Tokio (JAPANMARKT) – Mit 58 Jahren in Rente? Der Sony-Sanierer Kazuo „Kaz“ Hirai beweist, dass dies auch als Top-Manager in Japan möglich ist.

Chairman wechselt

Der Vorsitzende des Verwaltungsrats von Sony scheidet mit dem Wechsel des Geschäftsjahres aus dem obersten Gremium aus. Zwar bleibt er spezieller Berater des Vorstandes, jedoch ohne Büro und Dienstwagen. Für japanische Verhältnisse ist ein so frühes Ausscheiden eines Ex-Chefs ungewöhnlich.

Den Sitz von Hirai im Verwaltungsrat übernimmt Finanzvorstand Hiroki Totoki, während Vize-Chairman Shuzo Sumi, ein unabhängiger Direktor und zugleich Chairman des Versicherers Tokio Marine, nach der Hauptversammlung im Juni auf den Chefposten im Verwaltungsrat rücken soll.

Gelungene Sanierung

Hirai hatte ab 2012 als Präsident und CEO den Elektronik- und Unterhaltungsriesen saniert und die operative Konzernführung im April vergangenen Jahres an seinen damaligen Stellvertreter und Finanzvorstand Kenichiro Yoshida abgegeben. Den Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden übernahm er vor allem auf Drängen von Yoshida, ohne lange im Amt bleiben zu wollen.

Nun zieht Hirai sich nach nur einem Jahr zum frühestmöglichen Zeitpunkt zurück, obwohl er nach Informationen der Finanzzeitung Nikkei ohnehin nur ein bis zwei Tage im Unternehmen verbracht hatte. Allerdings lebt seine Familie in Kalifornien, so dass er für seine Sony-Aufgaben oft nach Japan pendeln musste.

Vertreter als Unterstützer

Hirai ist in den USA aufgewachsen, kam aus dem US-Musikgeschäft und wurde der erste japanische Sony-Chef, der kein Ingenieur war. Seine Strategie, auf Spielekonsolen und Bildsensoren zu setzen, ging erst auf, als er Yoshida zum Finanzvorstand berief. Als „Gehirn hinter dem Vorhang“ (Nikkei) schlachtete Yoshida mit Hirai die heiligen Kühe von Sony, verkaufte das Vaio-Computergeschäft und gliederte die verlustreiche Produktion von Fernsehern aus.

Bei der Stabübergabe vor einem Jahr erzielte Sony einen Rekordgewinn. Allerdings wirkt die Magie von Yoshida weniger als früher. Die Spielesparte wird bald von Google mit einem Cloud-Angebot angegriffen, während das Smartphone-Geschäft unverändert rote Zahlen schreibt. Daher verlegt Sony gerade die Produktion von China nach Thailand, um die Kosten zu halbieren.

Foto: Kazuo Hirai (Wikipedia CC BY-SA 2.0)