Tokio (JAPANMARKT) – Zum Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. April sind wichtige Arbeitsmarktreformen in Japan in Kraft getreten. Erstmals lädt man in großem Stil ausländische Arbeitskräfte ein und begrenzt die Überstunden von Arbeitern und Angestellten in Japan.

Historischer Einschnitt

Bisher blieben die Türen für Migranten zu, auch Flüchtlinge wurden kaum aufgenommen. Nun hat man zwei spezielle Arbeitsvisa geschaffen. Ungelernte Kräfte dürfen bis zu fünf Jahre bleiben, aber keine Angehörigen mitbringen, Fachkräfte können mit Familie einreisen und nach zehn Jahren eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Zuvor müssen alle einen Sprachtest bestehen. Damit vollzieht der nationalistische Premierminister Shinzo Abe, der früher jede Einwanderung ablehnte, eine Kehrtwende um 180 Grad. „Ich will eine Gesellschaft und ein System realisieren, so dass Ausländer in Japan arbeiten und wohnen wollen“, sagte Abe im vergangenen Herbst.

Der Regierungschef hat seine Meinung unter dem Druck vieler Betriebe und Unternehmen geändert. Vor allem die Bauindustrie, die Alten- und Krankenpflege, Restaurants und Supermärkte leiden unter großem Mangel an Arbeitskräften. Der Grund: Japans Bevölkerung altert und schrumpft. Bisher wurde dies dadurch ausgeglichen, dass mehr Frauen und Senioren erwerbstätig wurden. Nun sollen auch noch Ausländer dazukommen.

Keine „Einwanderung“

Allerdings vermeidet die Regierung das Wort „Einwanderung“, weil sie die Bevölkerung nicht auf den Politikwechsel vorbereitet hat und eine populistische Gegenbewegung befürchtet. Die Anwerbung konzentriert sich auf asiatische Länder wie Vietnam, China und Indonesien, so dass die neuen Arbeitskräfte aus dem Ausland nicht so schnell auffallen. Vor allem dürfen in den nächsten fünf Jahren nur insgesamt 340.000 Ausländer ins Land kommen.

Das sind viel zu wenig, um den Mangel an Arbeitskräften zu beseitigen. Deswegen verbessert die Regierung parallel die generellen Arbeitsbedingungen. Als wichtigste Maßnahme wird die Zahl der Überstunden ab heute erstmals gesetzlich begrenzt. Große Unternehmen in Japan dürfen nicht mehr als 720 Überstunden jährlich verlangen, für kleine Unternehmen gilt diese Regelung ab April 2020. Ansonsten gibt es Geldstrafen.

Zwar verschärft diese Regulierung zuerst einmal den Arbeitskräftemangel. Aber es zwingt die Unternehmen zum Automatisieren und damit zu höherer Produktivität. Zugleich bedeuten weniger Abendstunden im Büro, dass mehr Frauen erwerbstätig werden können. „Dadurch lässt sich Erwerbsarbeit besser mit Kindererziehung und Altenpflege vereinbaren“, betonte Abe. Außerdem müssen die Unternehmen ab heute sicherstellen, dass jeder Mitarbeiter mindestens fünf Tage im Jahr tatsächlich Urlaub macht.

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