Tokio (JAPANMARKT) – Auch Japan fürchtet, im globalen Wettrennen um künstliche Intelligenz zurückzufallen. Nun gibt es zumindest eine Idee, um besser mitzuhalten.

Pflichtkurs in KI

Laut dem Vorschlag eines Beratergremiums der Regierung sollen alle Master-Studenten an Universitäten und technischen Ausbildungsstätten künftig verpflichtet werden, einen Anfängerkurs in künstlicher Intelligenz und der Auswertung von großen Datenmengen zu absolvieren. Dieses Knowhow würde Japans Wirtschaft und Wissenschaft bei der Entwicklung neuer Dienstleistungen und Produkte helfen.

Von den 600.000 Master-Studenten jährlich sollen 250.000 ein fortgeschrittenes Wissen über künstliche Intelligenz erwerben. Darunter wären 120.000 Master-Studierende der Ingenieurs- und Naturwissenschaften und 60.000 Medizinstudenten. Zudem wird erwartet, dass jeder sechste Master-Student der Sozialwissenschaften ebenfalls mehrere KI-Kurse belegt. Das wären weitere 70.000.

Bislang laufen schon verschiedene Initiativen, um den Mangel an Datenspezialisten zu beheben. So hat die Universität Shiga 2017 die japanweit erste Fakultät für Datenwissenschaften aufgebaut und bietet ab diesem Semester den ersten Master-Kurs an. Gemäß einem Bericht der Finanzzeitung Nikkei kommen 80 Prozent der Studenten von Unternehmen. Der Versicherer Sompo bietet konzernintern eine KI-Weiterbildung an.

Mangel an Lehrern

Derzeit verlassen jährlich nur 2.800 Studierende die Universitäten mit einem Master-Abschluss in Künstlicher Intelligenz. Das Ziel von 250.000 KI-Experten scheint daher hochgegriffen zu sein. Jedoch wird die Ausbildungslücke schon im nächsten Jahr auf 300.000 KI-Techniker geschätzt. Daher will Japan die Lücke wenigstens verkleinern.

Die größte Hürde für ein solches Programm bildet das Lehrpersonal. Wer künstliche Intelligenz unterrichtet, müsste weit mehr als ein normaler Lehrer verdienen, um das hohe Einkommen eines Datenwissenschaftlers zu erreichen. Aus dem Ausland werden die Lehrer sicher nicht kommen: Denn dort verdienen KI-Experten laut dem Nikkei-Bericht deutlich mehr als in Japan.

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