Tokio (JAPANMARKT) – Toyota erzeugt selbst Wasserstoff für die Brennstoffzellen von Gabelstaplern in der Fabrik, in der auch das Wasserstoffauto gebaut wird. Das ist ein Indiz mehr für die japanischen Träume von einer Wasserstoff-Gesellschaft.

Machbare Lieferkette

Schon 2050 sollen 18 Prozent der Weltenergie aus Wasserstoff (H2) stammen und ein H2-Weltmarkt für 2,5 Billionen Dollar entstehen, wenn der Wasserstoff-Ausblick des japanischen Wirtschaftsministeriums verwirklicht wird. Für diesen großen Entwurf einer Wasserstoffwelt baut Japan ein riesiges Versuchslabor auf.

Dafür muss die Regierung zunächst beweisen, dass sich Wasserstoff so leicht handhaben und transportieren lässt wie Erdgas, Öl und Kohle. Bisher gibt es weder eine Lieferkette noch einen kommerziellen Weltmarkt. Wasserstoff entsteht zwar in großen Mengen als Nebenprodukt in der Chemieindustrie, wird aber als Energieträger kaum genutzt.

Daher wird die japanische Advanced Hydrogen Energy Chain Association (AHEAD) im nächsten Jahr im Sultanat Brunei erstmals Wasserstoff aus überschüssigem Erdgas extrahieren, über eine chemische Reaktion verflüssigen und mit dem weltweit ersten H2-Tanker übers Meer nach Japan transportieren.

Infrastruktur für Wasserstoff

Dass es sich dort zurück Wasserstoff wandeln und daraus Strom und Abwärme erzeugen lassen, hat die Stadt Kobe im April 2018 mit einem Feldversuch für die Wasserstoffverbrennung in einer Gasturbine bewiesen. „Die existierende Infrastruktur für Flüssiggas lässt sich für Wasserstoff benutzen“, gibt sich AHEAD-Präsident Hideki Endo überzeugt.

Parallel testet die japanische CO2-free Hydrogen Energy Supply-Chain Technology Research Organization (HySTRA) im Latrobe-Tal in Australien 2020 die Umwandlung von Braunkohle in Wasserstoff. Braunkohle gilt als schlafender Gigant der weltweiten Energievorräte, weil es für einen Transport zu feucht und entzündlich ist. Australien sitzt auf riesigen Lagerstätten.

Braunkohle zu Wasserstoff

Australiens größter Stromerzeuger AGL will bei dem 300 Millionen Euro teuren Testprojekt Braunkohle verfeuern und mit Hilfe von Kawasaki Heavy Industries Wasserstoff erzeugen und für den Transport nach Japan verflüssigen. Das anfallende Kohlendioxid aus diesem Prozess könnte man später in alten Ölbohrlöchern speichern. Die H2-Tanker sollen später selbst mit Wasserstoff angetrieben werden.

Unterdessen suchen japanische Forscher nach einer CO2-freien, kostengünstigen Elektrolyse von Wasserstoff aus Wasser. Die Energie dafür sollen Batteriespeicher für überschüssigen Strom aus Solar- und Windkraftwerken liefern, damit Wasserstoff ein wirklich grüner Energieträger wird. „Erneuerbare Energien werden 2040 die Hauptquelle von kohlendioxidfreiem Wasserstoff sein“, sagt AHEAD-Chef Endo vorher.

Foto: Wasserstoffbetriebener Gabelstapler (Toyota)