Tokio (JAPANMARKT) – Mit der neuen Kaiser-Ära Reiwa werden die Banknoten in Japan neu gestaltet. Daraus könnte man auch den Wandel der Zeitgeistes herauslesen.

Fokus auf Wirtschaft

Die wichtigste Banknote in Japan ist der 10.000 Yen-Schein. Japaner rechnen in Einheiten von Zehntausend, daher kommt diesem Papiergeld die größte Bedeutung zu. Bisher zeigt sie Yukichi Fukuzawa (1835-1901), einen Intellektuellen der Meiji-Zeit und Gründer der Keio-Universität, der als „Vater der japanischen Demokratie“ gilt.

Künftig soll das Gesicht von Eiichi Shibusawa (1840-1931) die 10.000 Yen-Note schmücken. Shibusawa wird häufig als „Vater des japanischen Kapitalismus“ bezeichnet. Er gründete die Dai-Ichi Bank, einen Vorläufer der heutigen Mizuho Bank, und steuerte über die Bank mehr als 250 Unternehmen und 500 Unternehmensbeteiligungen.

Auf der bisherigen 5.000 Yen-Note ist die Schriftstellerin Ichiyo Higuchi (1872-1896), eine bedeutende Autorin der Meiji-Zeit, zu sehen. Sie wird durch eine andere Frau ersetzt, nämlich Umeko Tsuda (1864-1929), die Gründerin der Universität Tsuda, eine Pädagogin, die sich in der Meiji- und Taisho-Zeit für eine bessere Bildung der Frauen einsetzte.

Noch ein „Vater“

Einen Wechsel gibt es auch auf der 1.000 Yen-Note: Sie zeigt bisher den Mikrobiologen Hideyo Noguchi (1876-1928). Als Ersatz kommt Shibasaburo Kitasato (1853-1931), ein Arzt und Bakteriologe, erster Präsident der japanischen Ärztevereinigung und oft als „Vater der modernen Medizin“ in Japan bezeichnet.

Kitasato entdeckte den Erreger der Ruhr und entwickelte als Mitgründer des Unternehmens Terumo das erste zuverlässige Fieberthermometer. Er arbeitete als junger Arzt zeitweise im Berliner Labor von Robert Koch und kam als historische Figur auch in der ersten Staffel der ARD-Fernsehserie „Charité“ vor, gespielt von Yusuke Yamazaki.

Wandel der Zeiten

Die neuen Bankkonten sollen in der ersten Hälfte des Haushaltsjahres 2021 herauskommen. Die offizielle Begründung für den Wechsel lautet, die Geldscheine fälschungssicherer zu machen. Aber wenn die Banknoten erstmals seit 2004 ihre Gesichter ändern, kann dies auch auf neue Schwerpunkte im Denken deuten.

Vom Vater der Demokratie zum Vater des Kapitalismus – das passt zum Wirtschaftsfokus der Abe-Regierung. Von der Autorin zur Frauenrechtlerin – das spiegelt die Anstrengungen wider, die Lage der Frauen zu verbessern. Weniger leicht lässt sich der Wechsel vom Mikrobiologen, der vor allem in Ausland forschte, zum prominenten Arzt in der Heimat deuten.

Foto: Eiichi Shibusawa kommt auf den neuen 10.000 Yen-Schein (Wikipedia CC0)