Tokio (JAPANMARKT) – Bei Nissan läuft das operative Geschäft nicht rund. Darauf hat jetzt auch der abgesetzte Chef Carlos Ghosn hingewiesen.

Ende der Ghosn-Ära

Am Montag hat eine außerordentliche Hauptversammlung von Nissan die bisherigen Direktoren Carlos Ghosn und Greg Kelly aus dem Verwaltungsrat entfernt. Dabei zeigten einige Aktionäre auch ihre Unzufriedenheit mit dem Abschneiden des Unternehmens.

Seit der Verhaftung von Ghosn Mitte November stagniert die Marktkapitalisierung von Nissan, während andere Autoaktien gestiegen sind. In den zwei Jahren unter der Führung von CEO Hiroto Saikawa, der das Zepter zum 1. April 2017 von Ghosn übernahm, ist der Aktienkurs um 14 Prozent gesunken.

Problem der Führung

Auf die schwachen Leistungen von Saikawa machte Ghosn in seiner Videobotschaft vom Dienstag aufmerksam. Drei Gewinnwarnungen und Skandale im Management – gemeint sind Inspektionen durch unqualifiziertes Personal und falsch gemessene Abgaswerte – deuteten auf ein Führungsproblem, sagte Ghosn.

Es fehle eine Vision für die Dreierallianz, führte der Ex-Nissan-Chef weiter aus. Auch sei es keine Vision, in der wettbewerbsintensiven Autoindustrie Entscheidungen im Konsens (mit Renault) zu fällen. Ähnliche Kritik wurde gemäß einem Bericht der Finanzzeitung Nikkei auch bei der Aktionärsversammlung am Montag laut.

Schwaches Abschneiden

Der Angriff von Ghosn auf Nissan-Chef Saikawa hat auch persönliche Gründe. Es war Saikawa, der die Staatsanwaltschaft einschaltete und dadurch die Festnahme von Ghosn auslöste. Aber in der Sache liegt Ghosn nicht falsch. Die von Saikawa gesetzten Ziele von acht Prozent operativer Marge und 30 Prozent Absatzwachstum bis 2023 liegen in weiter Ferne.

In China und den USA ist Nissan hinter andere Wettbewerber zurückgefallen. Die Luxusmarke Infiniti zieht sich aus Europa zurück. Bisher wurde auch kein Partner für das autonome Fahren gefunden oder wie bei Toyota und Honda ein Institut für die Entwicklung der technischen Grundlagen gegründet. Dennoch will Saikawa seinen Führungsposten offenbar nicht aufgeben.

Foto: Carlos Ghosn bei seiner Video-Botschaft (Youtube)