Tokio (JAPANMARKT) – Der japanische Nobelpreisträger Tasuku Honjo verlangt mehr Geld für seine wissenschaftliche Entdeckung. Dahinter steckt auch ein grundsätzliches Problem.

Neue Therapie

Als Wissenschaftler an der Universität Kyoto hatte der Immunologe Honjo 1992 die Wirkung des PD-1-Proteins entdeckt, das das Immunsystem aktivieren kann. Daraus entwickelte der Pharmahersteller Ono das Medikament Opdivo zur Krebsbehandlung und begründete ein neues Feld für die Bekämpfung von Tumoren.

Honjo hatte mit Ono relativ früh eine Lizenzvereinbarung verhandelt. 2003 beantragten die Partner ein Patent auf die Methode, 2006 einigte sich Honju mit Ono vertraglich darauf, weniger als ein Prozent des Opdivo-Umsatzes als Lizenzgebühr zu erhalten.

Kaum Beteiligung

Im vergangenen Jahr gewann Honjo für seine Entdeckung den Nobelpreis für Medizin. Das schärfte offenbar sein Empfinden dafür, dass das Geschäft mit Ono zu seinen Ungunsten abgeschlossen wurde. Der Inhalt des Vertrages sei ihm nicht ausreichend genug erklärt worden, sagte Ono am Mittwoch vor der Presse.

Eine Behandlung mit Opdivo kann in einem Jahr rund 130.000 Euro kosten. Der Frust des 77-jährigen Forschers scheint nachvollziehbar, wenn er davon jeweils weniger als 1.300 Euro sieht. Üblich seien fünf bis zehn Prozent des Umsatzes für den Erfinder, sagte sein Rechtsanwalt.

Hohes Risiko

Andererseits ging auch das relativ kleine Pharma-Unternehmen Ono ein hohes Risiko ein. Man investierte mehrere zehn Milliarden Yen (jeweils 80 Millionen Euro) in die Entwicklung des Medikaments bis zur Marktreife, obwohl man keine Erfahrung auf dem Feld der Krebstherapie hatte.

Hier zeigt sich auch ein prinzipielles Problem für Wissenschaftler an japanischen Universitäten. Ihren Instituten fehlen häufig das Geld und das Wissen, um Patente für die Entdeckungen der Forscher zu beantragen. Immerhin ist es in Japan inzwischen einfacher geworden, als Wissenschaftler ein verwertendes Unternehmen zu gründen.

Foto: Opdivo (© Bristol-Myers Squibb)