Tokio (JAPANMARKT) – Das japanische Kartellamt nimmt sich die großen Plattformen für Hotelbuchungen zur Brust. In Europa wurde dieser Kampf schon gewonnen.

Überhöhte Preise

Am Mittwoch wurden die japanischen Büros der Hotelvermittler Expedia, Booking.com und Rakuten Travel durchsucht. Manche japanischen Hotels erhalten bis zu 90 Prozent ihrer Reservierungen über diese Webseiten.

Offenbar nutzen einige Anbieter ihre Marktmacht so aus, dass die Konsumenten unnötig hohe Preise zahlen müssen. Ihr Trick firmiert unter dem Stichwort „Most favored nation“, kurz MFN. Die Abkürzung bedeutet, dass ein Hotelbetreiber auf anderen Webseiten keine günstigeren Preise anbieten darf.

Das Kartellamt verdächtigt die großen Anbieter auch, dass sie die Hotels zwingen, bei ihnen mehr Zimmer als über andere Webseiten anzubieten. Außerdem vermutet die Behörde, dass die Anbieter exklusive Sonderleistungen wie kostenloses WLan und mehr Zimmer höherer Kategorien zusagen müssen.

Negative Folgen

Diese Praktiken haben nach Ansicht der Wettbewerbshüter negative Auswirkungen: Erstens bleiben dadurch die Zimmerpreise für den Endverbraucher höher als notwendig. Zweitens werden größere Zimmerkontingente über die größeren Anbieter vermittelt, so dass neue Konkurrenten nur schwer in den Markt eintreten können.

Das Kartellamt in Deutschland zwang Booking.com bereits vor vier Jahren dazu, auf die MFN-Klausel zu verzichten. Auch Frankreich und Großbritannien gingen gegen diese verbraucherfeindliche Praxis vor. Die Alternative für Reisende besteht darin, ihre Zimmer direkt über die Webseite der Hotels zu buchen.

Foto: Hotel in Shibuya (flickr/MD 111 CC BY-NC 2.0)