Tokio (JAPANMARKT) – Japan soll die „dekarbonisierte Gesellschaft“ so früh wie möglich innerhalb der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts erreichen. Das fordert eine Expertengruppe der Regierung.

Ehrgeizige Vorgabe

Derzeit verfolgt Japan zwei mittelfristige Klimaziele: Bis 2030 sollen die Emissionen von Treibhausgasen um 26 Prozent gegenüber 2013 sinken. Dabei setzt man vor allem auf Atomkraft und erneuerbare Energien. Bis 2050 will Japan dann 80 Prozent weniger Kohlendioxid erzeugen.

Die Experten forderten in ihrem Bericht an die Regierung nun mehr Ehrgeiz, um so schnell wie möglich zu einer kohlenstofffreien Gesellschaft zu gelangen. Dafür sollte man versuchen, die bisherigen Klimaziele für 2030 zu übertreffen. Dafür gäbe es Spielraum: Viele Programme zur CO2-Verringerung seien bisher freiwillig.

Doch laut dem zuständigen Beamten im Außenministerium wird das Klimaziel für 2030 vorerst nicht geändert werden. Schließlich sei es erst kürzlich festgelegt worden, sagte der Vertreter vor Journalisten. Allerdings sind die japanischen CO2-Emissionen seit 2013 bereits um 8,4 Prozent gesunken.

Disruption als Traum

Laut den Experten sollten alle Optionen für weniger Kohlendioxid genutzt werden, darunter eine höhere Energieeffizienz, mehr erneuerbare Energien, Wasserstoff, Atomkraft und fossile Kraftwerke mit verringertem CO2-Ausstoß und -Speicherung. Stahl zum Beispiel soll in der Zukunft mit Wasserstoff statt Koks erzeugt werde.

Allerdings glauben die Experten nicht daran, dass sich eine kohlenstofffreie Gesellschaft mit den heutigen Technologien erreichen lasse. Dafür seien „disruptive Innovationen“ notwendig, also Technologiesprünge. In diesem Sinne sei der Klimawandel eine Chance für Unternehmen, betonte das Gremium.

Die Regierung brachte das Expertenpapier mit insgesamt 30 Seiten an Empfehlungenam 2. April auf den Weg. In den nächsten Wochen können sich die Bürger dazu äußern. Danach wird die Strategie vor dem Treffen der G-20-Umwelt- und Energieminister zum Thema „Energy Transitions and Global Environment for Sustainable Growth“ Mitte Juni in Karuizawa bekanntgeben.

Foto: Wasserstofftankstelle in Kalifornien (flickr/National Renewable Energy CC BY-NC-ND 2.0)