Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Notenbank kauft in großem Stil Aktien. Das sehen ausländische Investoren als zweischneidiges Schwert.

Schwaches Abschneiden

Japans Aktien haben internationale Anleger auch im neuen Jahr nicht überzeugt. Nach dem Rückgang um 12,2 Prozent im Vorjahr legte der Leitindex Nikkei 225 bis zum Gründonnerstag nur um 10,4 Prozent zu, weniger als Dax, Dow Jones oder S&P 500. Bis zum Rekordhoch von Ende September müsste der Nikkei um mehr als neun Prozent steigen.

Das schwache Abschneiden wurzelt in der anhaltenden Zurückhaltung ausländischer Investoren, die bis zu 70 Prozent des Tokioter Handels ausmachen. In jedem Monat seit dem vergangenen August waren die Ausländer Nettoverkäufer. Viele zögern mit neuen Engagements, weil Japan-Aktien aktuell kein klares Investmentthema mehr haben.

Zweifel an Notenbank

Viele Anleger werden von Zweifeln über die Rolle der Notenbank am Aktienmarkt geplagt. Seit Juli 2016 erwirbt die Bank of Japan (BoJ) jedes Jahr Aktienindexfonds für 6 Billionen Yen (48 Milliarden Euro). Ende März hielt die BoJ 4,7 Prozent der Topix-Werte und war damit nach dem Pensionsfonds GPIF der größte Besitzer japanischer Aktien.

Dieser japanische Sonderweg lässt sich positiv und negativ werten: Einerseits können Investoren darauf vertrauen, dass die BoJ-Käufe die Aktienkurse stützen. Andererseits müssen sie befürchten, dass es zu einem Kurseinbruch kommt, sobald sich die BoJ als Käufer zurückzieht.

Niedrigere Zinsen?

Dennoch hält Notenbank-Gouverneur Haruhiko Kuroda bisher an den Aktienkäufen fest. Stattdessen lenkte er das Augenmerk der Anleger auf eine andere Korrektur der Geldpolitik. Es gebe Spielraum für eine Zinssenkung, aber dies sei derzeit nicht notwendig, sagte Kuroda zuletzt.

Die Bank of Japan steht nämlich Gewehr bei Fuß, weil die Umsatzsteuer im Oktober erhöht wird. Dadurch droht – wie bei der Steueranhebung im April 2014 – ein Konsumeinbruch. Allerdings hat die Regierung – anders als damals – diesmal ein Konjunkturpaket geschnürt. Der Ausgang bleibt jedoch ungewiss.

Foto: Zweigstelle der Bank of Japan in Otaru (Wikipedia CC BY 2.5)