Tokio (JAPANMARKT) – China schlägt mit seiner Infrastruktur-Initiative „Belt and Road“ hohe diplomatische Wellen. Aber als Kreditgeber liegt Japan mit seiner stillen Diplomatie noch vorn.

Neue Seidenstraße

Seit sechs Jahren baut China an einem globalen Netzwerk von Häfen, Schienen und Straßen, die „neue Seidenstraße“ von China bis nach Europa und Lateinamerika. Doch die teuren Großprojekte stoßen zunehmend auf Widerstand, weil viele Schwellenländer die chinesischen Kredite nicht schultern können.

Auf einem multinationalen Treffen in Peking reagierte China am Freitag und versprach, auf Nachhaltigkeit und Umweltfolgen mehr zu achten. Auch will China stärker mit großen Banken und Ländern wie Japan zusammenarbeiten. „Alles sollte auf transparente Weise getan werden, und es wird Null-Toleranz für Korruption geben“, versprach Präsident Xi Jinping.

Nach Angaben von Zentralbankchef Yi Gang hat China bisher 440 Milliarden US-Dollar für die Initiative bereitgestellt. Wie viel schon ausgegeben wurde, ist unklar. Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen jedenfalls, dass Japan als Kreditgeber auf der internationalen Bühne weiter eine größere Rolle als China spielt, ohne davon viel Aufhebens zu machen.

Größter Kreditgeber

Laut den jüngsten Daten vom dritten Quartal 2018 besaß Japan 1.667 Billionen Dollar an Auslandsvermögen, dazu gehören auch die Kreditforderungen, China besaß mit 1.542 Billionen Dollar jedoch weniger als Japan.

Das ist offenbar kein Zufall: Die von China vor drei Jahren ins Leben gerufene Asian Infrastructure Investment Bank, die sich als Konkurrentin zu westlichen Kreditgebern versteht, hat seit ihrer Gründung lediglich Kredite für 6,4 Milliarden Dollar vergeben.

Zum Vergleich: Die Asian Development Bank (ADB) in Manila, zu 15 Prozent von Japan finanziert und seit der Gründung von einem Präsidenten aus Japan geführt, hat allein im vergangenen Jahr Kredite für 35,8 Milliarden Dollar vergeben, also mehr als fünf Mal so viel wie der neue Rivale aus China in zwei Jahren, und dies zu transparenten und fairen Bedingungen.

Foto: Asian Development Bank in Manila (Wikipedia CC BY-SA 4.0)