Tokio (JAPANMARKT) – Die Zahl der leerstehenden Häuser in Japan ist auf einen neuen Rekord gestiegen. Aber diese Aussage enthält nicht die ganze Wahrheit.

Geringe Zunahme

Nach offiziellen Angaben standen am 1. Oktober 2018 insgesamt 8,46 Millionen Häuser in Japan leer. Ihr Anteil an allen Häusern beträgt nun 13,6 Prozent. Die Nachricht vom „Rekord“ und die Zahlen hören sich dramatisch an. Bei näherem Hinsehen relativiert sich die alarmierende Botschaft.

Erstens ist die Veränderung im Vergleich zu vor fünf Jahren gering. Die Zahl der leerstehenden Häuser wuchs um 260.000 Stück. Doch eigentlich müsste der Anstieg viel stärker sein: Im Berichtszeitraum ging die Bevölkerung um über 800.000 Menschen zurück. Dieser Trend zusammen mit der Landflucht kann also nicht die Hauptursache für leerstehende Häuser sein.

Zweitens entstanden in den fünf Jahren zwischen 2013 und 2018 1,6 Millionen neue Häuser. Dies wiederum hängt mit der geringen Lebensdauer von Häusern in Japan zusammen, deren Wert schon nach 25 Jahren steuerlich abgeschrieben ist. Wegen der vielen Neubauten wuchs der Gesamtanteil der leerstehenden Häuser nur um 0,1 Prozentpunkte.

Irreführende Zählung

Drittens zählt das Innenministerium auch Ferienunterkünfte als leerstehende Häuser. Nagano, Wakayama und Yamanashi gehören zu den Präfekten mit den höchsten Leerstandsraten – in diesen Regionen stehen auch sehr viele Ferienhäuser. Viele weitere leerstehende Häuser stehen zum Verkauf und damit vor einem Abriss oder einer Renovierung, also nicht dauerhaft leer.

Viertens ist der Staat indirekt für die hohe Leerstandsrate mitverantwortlich. Die Immobiliensteuer ist deutlich niedriger, wenn das Grundstück bebaut ist, egal ob das Gebäude genutzt wird oder nicht. Daher vermeiden die Besitzer einen Abriss und verschandeln mit dem verfallenden Gebäude lieber die Nachbarschaft.

Foto: Verlassenes Gebäude (Pixabay CC0)