Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Job-Plattform Wantedly hat eine Dependance in Berlin eröffnet. Ihr Konzept widerspricht einem Japan-Klischee.

Neuartiges Recruiting

In Deutschland ist Japan bekannt für harte Arbeitsbedingungen mit vielen Überstunden. Nun geht mit Wantedly ausgerechnet eine Online-Plattform aus Japan an den Start, die deutschen Arbeitnehmern zu ihrem Traumjob verhelfen will.

In Japan sind mehr als 25.000 Unternehmen und monatlich über 2,5 Millionen aktive Nutzer auf Wantedly. Anders als normale Jobvermittler setzt die Plattform nach eigenen Angaben auf „entschleunigtes und persönliches Recruiting“ und verkauft sich als “LinkedIn für Millennials”.

Die These dahinter: Die neue Generation Arbeitnehmer will nicht nur Geld verdienen, sondern sucht eine sinnvolle Beschäftigung. Studien zufolge würde nur jeder dritte Deutsche seinen Arbeitgeber weiterempfehlen – damit gehören die Deutschen zu den unzufriedensten Nationen weltweit.

Wantedly-Gründerin Akiko Naka (Wantedly)

Algorithmus für Jobangebote

Bei Wantedly sollen Jobsuchende den Arbeitgeber finden, zu dem sie als Mensch passen und dessen Geschäftsidee sie mit Leidenschaft vertreten können. Dafür erzeugt ein Algorithmus einen Feed aus Beiträgen von verschiedenen Firmen, deren Profile zu den persönlichen Interessen und Einstellungen des Users passen.

Die Unternehmen präsentieren auf ihrem Wantedly-Profil durch Videos, Bildstrecken oder Blogeinträge ihre Werte, Geschichte und Vision. Dafür zahlen sie monatlich 199 Euro – inklusive Unterstützung bei der Erstellung von Videos, Fotos und Texten. Für Arbeitnehmer ist der Zugang zu Wantedly kostenlos.

Job-Dating statt -Recruiting

Bei Interesse an einem Unternehmen haben die Nutzer drei Möglichkeiten: Sie chatten mit einem Mitarbeiter des Unternehmens für einen Blick hinter die Kulissen und Erfahrungen aus dem wirklichen Arbeitsalltag; sie besuchen das Unternehmen und erhalten direkte Einblicke; sie beantragen ein klassisches Job-Interview.

“Wir nennen es einen Dating-Prozess und wir wollen langfristige Beziehungen erreichen”, erklärt Akiko Naka. Die 34-jährige Gründerin von Wantedly, die auch für Goldman Sachs und Facebook Japan arbeitete, setzte ihre Geschäftsidee ab 2010 um und beschäftigt inzwischen über 100 Mitarbeiter in Japan, Singapur und Hongkong. An der Börse ist Wantedly fast zwei Milliarden Euro wert.

Foto: Team von Wantedly in Deutschland (Wantedly)