Tokio (JAPANMARKT) – Nach Sushi rollt eine neue japanische Essenwelle durch Deutschland. Vielerorts machen Läden für Ramen-Suppen auf. Das Schlagwort heißt Soulfood.

Günstiges Komfort-Food

Das beliebteste Essen der Japaner ist eine Schüssel heißer Brühe voller Weizennudeln, garniert mit Gemüse, Seetang, Fleischscheiben und halbem Ei. Sushi ist fein, teuer und verwöhnt Gourmets. Ramen ist herzhaft, günstig und wärmt die Seele von Jedermann.

Die Grundbrühe, entstanden durch stundenlanges Auskochen vor allem von Schweine- und Hühnerteilen und Gemüse, würzt der Koch in die vom Kunden gewünschte Geschmacksrichtung – meist entweder Sojasoße (shoyu ramen), Sojabohnenpaste (miso ramen) oder Salz (shio ramen). Die Nudeln bestehen aus Weizen, Salz und Wasser. In guten Läden sind sie selbstgemacht.

Jedoch existiert eine endlose Zahl von kulinarischen Varianten wie Tantanmen (mit Sesam und Chili-Öl) und Tanmen (salzig mit gebratenem Schweinefleisch und Gemüse). Spezialitäten wie Hakata Ramen (mit Schweineknochenbrühe) haben sich landesweit verbreitet. Zu den jungen Trends gehört das Tunken der Nudeln in eine Extraschale Brühe (tsukemen).

Boom nach dem Weltkrieg

Das Gericht kam in der Meiji-Zeit (1868-1912) durch chinesische Einwanderer nach Japan. Aus ihren „Lamian“ (wörtlich: handgezogene Nudeln) wurden „Ramen“. Der Boom begann nach dem Weltkrieg, als die Nation unter Mangelernährung litt. Das von den US-Besatzern importierte Weizenmehl lieferte den Grundstoff für Garküchen mit Ramen-Suppen, auch verbreitet durch Japaner, die aus China zurückkehrten.

Die Vermehrung auf heute 34.000 Läden hat wirtschaftliche Gründe. Die Miete ist niedrig – man sitzt an einer Theke um die Garkessel; der Koch bedient selbst und spart dadurch Personal; der Umsatz ist hoch, weil der Kunde nach einer Viertelstunde wieder geht. Die Nudeln schlingt man nämlich schnell runter, sonst werden sie weich.

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