Tokio (JAPANMARKT) – In Japan fehlen immer mehr Arbeitskräfte, aber die Löhne sind zuletzt sogar gefallen. Dahinter verbergen sich verschiedene Faktoren.

Korrigierte Daten

Auf 100 Jobsuchende kommen derzeit 163 Stellenangebote. Händeringend werden zum Bespiel Fahrer, Bauarbeiter, Verkaufspersonal, Köche und Altenpfleger gesucht. Aber laut den jüngsten Daten für März sanken die Reallöhne um 2,5 Prozent, die nominalen Bareinkommen um 1,9 Prozent und die Regel-Bareinkünfte der Werktätigen um 0,9 Prozent zum Vorjahr.

Jedoch gingen diese Zahlen teilweise auf das Konto einer nachträglichen Korrektur von statistischen Daten, die von der Regierung über viele Jahre auf falsche Weise erhoben wurden. Rechnet man dies heraus, nahmen zum Beispiel die Regel-Bareinkünfte im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Prozent zu. Anders gesagt: Auf Japans Lohndaten ist wenig Verlass.

Dennoch arbeiten sich Analysten daran ab: So deutet die geringe Zunahme ihrer Ansicht nach darauf, dass die Unternehmen lieber in arbeitssparende Technologien investieren als ihren Arbeitnehmern mehr Lohn zu zahlen. Tatsächlich steigern viele Unternehmen derzeit ihre Kapitalausgaben stärker als früher.

Umdenken beginnt

Dessen ungeachtet nehmen die Löhne in manchen Bereichen deutlich zu, ohne dass sich dies in den offiziellen Zahlen niederzuschlagen scheint. Ein Beispiel ist der Mindestlohn, der unter der Abe-Regierung jedes Jahr angehoben wurde. In diesem Jahr soll dieser Stundenlohn um mehr als drei Prozent auf 874 Yen steigen.

Auch die gesetzliche Deckelung von Überstunden seit dem 1. April belastet die Löhne. Dazu kommt, dass während der Regierungszeit von Premierminister Shinzo Abe überwiegend eher schlecht bezahlte Teilzeitjobs geschaffen wurde. Dies erschwert es ebenfalls, die Lohnentwicklung in der gesamten Volkswirtschaft zu berechnen.

Die Meldungen einzelner Unternehmen zeigen jedenfalls ein Umdenken an: So will Fast Retailing, Betreiber der Uniqlo-Textilkette, die Einstiegslöhne für Universitätsabsolventen nächstes Jahr um 20 Prozent erhöhen. Der Textil-Onlinehändler Zozo kündigte die Anhebung der Löhne für Teilzeitkräfte um bis zu 30 Prozent an.

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