Tokio (JAPANMARKT) – Japans Wirtschaft steht möglicherweise vor einer Rezession und bräuchte neue Hilfen. Allerdings ist der Signalgeber nicht richtig erprobt.

Niedrigere Bewertung

Der umfassendste Konjunkturindikator, der zahlreiche Daten kombiniert, fiel im März um 0,9 Punkte zum Vormonat auf 99,6 Punkte. Dies löste in der offiziellen Einschätzung der Konjunkturlage eine automatische Herabstufung von „Signal für einen möglichen Wendepunkt“ zu „Verschlechterung“ aus. Diese zweite von fünf Bewertungsstufen wird als Vorbote einer starken Rezession interpretiert.

Fünf der sieben Komponenten des Koinzidenz-Indexes gaben nach. So brach die Auslieferung von Investitionsgütern im März um 2,3 Prozent ein. Der Ausblickindex sank erstmals seit zwei Monaten, weil das Verbrauchervertrauen nachließ. Als stärkste Ursache nannten Analysten die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China. Die beiden Länder sind die größten Handelspartner von Japan.

Ungünstiger Zeitpunkt

Der drohende Konjunkturabschwung hat Premierminister Shinzo Abe und seine Regierungskoalition alarmiert. Der Zeitpunkt wäre aus ihrer Sicht denkbar ungünstig: Im Juli wird das Oberhaus neu gewählt, dabei steht die Zweidrittelmehrheit von Abe auf dem Spiel. Im Oktober steigt die Verbrauchssteuer um zwei Punkte auf 10 Prozent. Dies könnte eine Rezession, falls sie denn käme, verschärfen.

Die fünf Bewertungsstufen für die Veränderungen des Koinzidenz-Indexes gibt es allerdings erst seit rund einem Jahrzehnt. Die Datenbasis ist daher recht dünn, so dass ein Abschwung nicht zwingend erfolgen muss.

Dennoch bereiten die Regierungsparteien laut Finanzzeitung Nikkei nun zusätzliche Konjunkturhilfen vor, um eine Rezession abzuwenden. Bisher existiert nur ein Stimuli-Bündel, das den befürchteten Konsumeinbruch nach der Steuererhöhung abfedern soll. Das Paket im Volumen von drei Billionen Yen (24 Milliarden Euro) ist bereits in den Staatshaushalt integriert.

Foto: Premierministeramt in Tokio (Wikipedia CC BY-SA 3.0)