Tokio (JAPANMARKT) – Deutsche Wörter gingen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in die japanische Sprache ein. Jetzt scheint es eine neue deutsche Welle zu geben.

Cooles Deutsch

„Braunes Heim“ heißt ein Wohngebäude, „Bauhaus“ ein Makler, „Heimat“ ein Hotel, „Frieden“ ein Schweinewürstchen, „Tante Marie“ eine Konditorei, „Bitte“ ein Keks und „Zwei“ eine Partnervermittlung – auf manchmal unabsichtlich komische Weise benutzen Japaner heutzutage wieder deutsche Wörter. Die gelten als cool, auch wenn sie nicht immer als Deutsch erkannt werden.

Das war bei der ersten deutschen Welle ins Japanische anders, als der Meiji-Kaiser (1868-1912) japanische Beamte und Wissenschaftler zum Studium von Medizin, Technik, Erziehung und Polizei ins deutsche Reich schickte. Dadurch gelangten viele deutsche Fachwörter für diese Bereiche in die japanische Sprache.

Verbreitetes Deutsch

Bis tief ins 20. Jahrhundert notierten japanische Ärzte ihre Patientenberichte auf Deutsch und benutzten Wörter wie kuranke (Kranke), karute (Patienten-Karte), noirouze (Neurose), orugasumusu (Orgasmus), gipusu (Gips-Verband) und puroteese (Prothese) – Japanisch ist eine Silbensprache, daher fügt man zwischen zwei Konsonanten einen Extra-Vokal ein.

Heute im Gebrauch sind arubaito (Arbeit im Sinne von Gelegenheitsjob), messe (Waren- und Fachmesse), wagen (Volkswagen), masuku (Maske), ederuwaisu (Edelweiß) und kapuselu (Kapsel). Japanisch verfremdetes Deutsch ist auch beim Thema Essen zu hören – von wurusuto (Wurst), baumkuuhen (Baumkuchen), shutoren (Christstollen) bis guryuuwain (Glühwein).

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