Tokio (JAPANMARKT) – Japans größte Unternehmen wollen mehr Frauen in den Vorstand lassen. Für neue Dynamik sorgt der internationale 30-Prozent-Klub.

Ableger für Japan

Der japanische Ableger dieser britischen Organisation ging Anfang Mai an den Start und setzte sich für 2030 das ehrgeizige Ziel von 30 Prozent Frauen in den Vorstandsetagen der 100 größten börsennotierten Unternehmen in Japan, kurz Topix 100. Bis 2020 sollen es zehn Prozent sein. Letzteres ist identisch mit dem Ziel der japanischen Regierung.

Laut der eigenen Webseite hat der Klub zahlreiche prominente Großunternehmen als Mitglieder gewonnen. Darunter sind Shiseido-Präsident Masahiko Uotani, Daiwa Securities Group-Vorsitzender Takashi Hibino, Hitachi-Präsident Toshiaki Higashihara, Ajinomoto-Präsident Takaaki Nishii, Resona Holdings-Präsident Kazuhiro Higashi, Astellas Pharma-Chairman Yoshihiko Hatanaka und Tokio Marine Holdings-Präsident Tsuyoshi Nagano.

Kampagnen für Quote

Eine Strategie des Klubs: Die Führungskräfte von institutionellen Investoren wie Daiwa Securities und Tokio Marine Holdings werden Unternehmen, in die sie investieren, zu Maßnahmen ermutigen, die weibliche Vertretung in ihren Vorständen zu stärken. Weiterhin will der Klub in Zusammenarbeit mit Regierungsbehörden, Medien und Universitäten Kampagnen für eine schnellere Zunahme der Frauenquote organisieren.

Der 30-Prozent-Klub ist in dreizehn Ländern aktiv und trug seit seiner Gründung 2010 dazu bei, den Frauenanteil unter den Vorständen der 100 Top-Unternehmen in Großbritannien von 13 Prozent auf 31 Prozent zu steigern. In Japan lag die Frauenquote in den erweiterten Führungen der 100 größten Konzernen im Jahr 2017 gemäß der Finanzzeitung Nikkei nur bei 6,5 Prozent. Laut OECD-Daten sind 5,3 Prozent aller Führungskräfte in großen Unternehmen weiblich, ebenfalls Stand 2017.

Verschiedene Nutznießer

Die Regierung von Premier Shinzo Abe setzt sich vor allem für mehr Frauen in Führungspositionen ein, damit Frauen Vorbilder und lohnende Ziele für ihre Karriere haben. Bisher stellen viele Unternehmen Frauen bevorzugt für Positionen ein, die keine Karriere im Management ermöglichen. Die Zahl der berufstätigen Frauen wiederum soll steigen, um den Mangel an Arbeitskräften als Folge der alternden Gesellschaft wettzumachen.

Aber mehr Frauen in Führungsjobs sind kein Selbstzweck: Analysten sehen sie allgemein als ein Plus für die Wirtschaft. In vielen Ländern sind Unternehmen mit mehr Frauen im Vorstand profitabler als solche mit wenig Frauen. Die möglichen Gründe: Ihre Präsenz stärkt die Corporate Governance, fördert Innovationen und verbessert das Markenimage. Von der höheren Frauenquote profitieren die Unternehmen also selbst.

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