Tokio (JAPANMARKT) – US-Präsident Donald Trump hat den Abschluss eines Handelsvertrages mit Japan für August angekündigt. Das bilaterale Abkommen soll laut der Aussage von Trump das „Ungleichgewicht“ im Handel zwischen den USA und Japan korrigieren.

Defizit abbauen

Konkret geht es dem Präsidenten um eine Verringerung des Handelsdefizits. Dafür soll Japan weniger Autos in die USA exportieren – gegenwärtig der größte Verursacher des Defizits – und mehr US-Agrarwaren importieren. „Wir müssen etwas aufholen, weil Japan so viel mehr Geschäfte mit uns macht“, sagte Trump bei einem Gipfeltreffen mit Premier Shinzo Abe in der japanischen Hauptstadt. „Wir wollen diese Handelsbilanz drehen und ich denke, wir werden die Bilanz schnell geradebiegen“, versprach der Präsident.

Die Gespräche zwischen dem US-Beauftragten Robert Lightizer und Japans Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi hatten nach langen Verzögerungen im April begonnen. Umstrittene Themen wie Importquoten für Autos und Währungsfragen wurden ausgeklammert. Japan gab dem US-Drängen nicht nach, den Abschluss der Verhandlungen schon bei dem Gipfeltreffen zwischen Abe und Trump zu verkünden.

Wahl als Hindernis

Dem Argument der Tokioter Regierung, vor einer Abmachung die Parlamentswahl im Juli abzuwarten, hatten die Amerikaner nichts entgegenzusetzen. Sie wollen bessere Importbedingungen für ihre Agrarwaren als andere Handelspartner von Japan durchsetzen, doch träfe dies die japanischen Bauern, die zu den Kernwählern der regierenden Liberaldemokraten gehören.

Zur Überraschung der US-Seite verlangt Tokio sogar den Abbau von Zöllen für japanische Autos und Autoteile. Daher liegen die Positionen weit auseinander. Ein Abschluss bis August scheint deswegen keine sichere Sache zu sein. Das japanische Selbstbewusstsein erklärt sich damit, dass die US-Agrarlobby die eigenen Unterhändler unter Zeitdruck setzt.

Die Exporteure von Rind- und Schweinefleisch haben sichtbar Marktanteile in Japan an Konkurrenten aus Asien und Europa verloren, nachdem im Januar und Februar die Handelsabkommen mit der EU und zehn Asienanrainerstaaten in Kraft traten. Der US-Agrarlobby würde es wohl reichen, die gleichen Bedingungen zu bekommen.

Foto: Kantei