Tokio (JAPANMARKT) – Die mögliche Fusion mit Fiat Chrysler schwächt die Hoffnung der Renault-Tochter Nissan auf mehr Unabhängigkeit. Den Japanern bleiben nur wenige Alternativen.

Gespräch über Allianz

Er sei offen für alle konstruktiven Diskussionen über die Zukunft der Dreier-Allianz, erklärte Nissan-Chef Hiroto Saikawa. Die nächste Gelegenheit dafür bietet sich am Mittwoch bei einem Gesprächstermin der Spitzen von Renault, Nissan und Mitsubishi. Auf die Frage, ob er vorab informiert gewesen sei, wollte Saikawa nicht antworten.

Dagegen signalisierte John Elkann, Chairman von Fiat Chrysler (FCA), ein starkes Interesse an den japanischen Renault-Beteiligungen. Nissan und Mitsubishi seien „geschätzte und respektierte Partner“, erklärte der FCA-Chef. Sein Werben scheint notwendig: Bisher wehrte sich Nissan schon gegen eine engere Verbindung mit Renault. Im Gegenteil: Die Japaner wollen am liebsten die Kapitalverhältnisse ändern – derzeit besitzt Renault rund 43 Prozent von Nissan, die Japaner halten nur stimmrechtslose 15 Prozent an Renault.

Doch bei einer Fusion von Renault und FCA würde das Gewicht von Nissan und damit der japanische Einfluss in der aktuellen Allianz schrumpfen. Sollte das Angebot aus Italien wie vorgelegt umgesetzt werden, halbierte sich der Anteil von Nissan an Renault auf 7,5 Prozent. Im elfköpfigen Verwaltungsrat eines fusionierten Autokonzerns bliebe Nissan nur noch ein einziger Sitz. Bislang sind es drei, wenn man Carlos Ghosn mitzählt, ohne ihn zwei.

Verbliebene Optionen

Daher haben Nissan und Mitsubishi letztlich nur zwei Optionen: Entweder sie warten ab, dass die Fusion an ihren nicht gerade wenigen Hürden scheitert, vom Widerstand der Gewerkschaften in Frankreich und Italien bis zu den Forderungen der beteiligten Staaten. Oder sie vertrauen darauf, dass Renault und FCA die Bedeutung und damit den Wert der japanischen Töchter anerkennen und honorieren.

Immerhin bliebe Nissan mit 5,5 Millionen Stück weiter der absatzstärkste Teil der multinationalen Gruppe. Dazu kommt, dass die neue Autogruppe ohne Nissan und Mitsubishi weder in China noch in Indien und Südostasien signifikant präsent wäre. Zwar müsste Nissan das eigene Modellportfolio in Nordamerika an einen Partner Fiat Chrysler anpassen. Aber dies beträfe in erster Linie den eher kleinen Bereich Geländewagen.

Foto: Nissan Kicks-Geländewagen in den USA (© Nissan USA)