Tokio (JAPANMARKT) – Das Parlament verstärkt den Schutz von Angestellten vor Vorgesetzten, die ihre Macht missbräuchlich einsetzen. Dafür benutzt man in Japan den umfassenden Begriff „Power Harassment“, um den Hierarchie-Aspekt zu betonen.

Gesetze überarbeitet

Laut japanischen Presseberichten wurden insgesamt fünf Gesetze überarbeitet, um Machtmissbrauch zu bekämpfen. So dürfen Mitarbeiter, die Anschuldigungen gegen höherstehende Personen erheben, und Mitarbeiter, die sexuelle Belästigung berichten, nicht diskriminiert oder bestraft werden. Auch Schwangere und junge Mütter werden explizit genannt.

Die Unternehmen müssen vorbeugende Maßnahmen ergreifen, damit Vorgesetzte ihre Macht am Arbeitsplatz nicht missbrauchen. Dieses „Power Harassament“ wird definiert als „unverhältnismäßige Worte und Verhaltensweisen, die eine übergeordnete Position in der Hierarchie ausnutzen und das Arbeitsumfeld schädigen“.

Richtlinien in Arbeit

Die Regierung will nun Richtlinien für Unternehmen festlegen. An den Gesetzsüberarbeitungen hatte ein Unternehmensverband kritisiert, die Grenze zwischen „Harassment“ und „strengem, aber fairem Management“ sei schwer zu ziehen. Deswegen sollen die künftigen Richtlinien Beispiele für verschiedene Arten von Machtmissbrauch enthalten.

Große Unternehmen müssen möglicherweise schon im laufenden Geschäftsjahr entsprechende Vorbeugemaßnahmen einführen. Kleine und mittlere Unternehmen sollen die Abwehr von Power Harassment zunächst auf freiwilliger Basis angehen. Aber nach zwei Jahren werden die Vorschriften auch für sie gelten.

Sanktionen sieht auch das überarbeitete Gesetz nicht vor. Aber Betroffene haben weiter die Möglichkeit, sich bei der Arbeitsaufsicht zu beschweren, eine Mediation zu beantragen oder Klage gegen Täter und Arbeitgeber zu erheben. Dabei legen die Gerichte häufig strengere Maßstäbe als in Deutschland an.

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