Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Regierung strebt eine „Gesellschaft 5.0“ voller digitaler Dienstleistungen an. Dafür verschärft sie Tempo beim ultraschnellen 5G-Netz.

Geschäft auf Gegenseitigkeit

Eine Hand wäscht die andere. Nach diesem Motto funktionierte die Vergabe der 5G-Lizenzen in Japan. Das Wirtschaftsministerium vergab im April die Lizenzen an die vier Netzbetreiber kostenlos. Als Gegenleistung verpflichteten sich die Mobilfunkanbieter, innerhalb bestimmter Zeiträume das Netz aufzubauen und dabei eine verabredete Fläche abzudecken.

Die vier Betreiber NTT Docomo, KDDI mit der Marke au, Softbank und Rakuten wollen in den fünf Jahren bis 2024 insgesamt 1,6 Billionen Yen (rund 13 Milliarden Euro) investieren. Dieses Prinzip der Gegenseitigkeit hatte sich bei der schnellen Einführung der vorangegangen Netztechnologien 3G (UMTS) und 4G (LTE) bewährt.

Basis für Digitalisierung

Die strategische Philosophie dahinter: Der Staat verzichtet auf mögliche Einnahmen, dafür bauen private Unternehmen die lebenswichtige Infrastruktur auf. Schließlich soll das 5G-Netz die Basis der Gesellschaft 5.0 bilden. Hinter dem Schlagwort verbirgt sich die offizielle Vision einer umfassenden Digitalisierung vieler Lebensbereiche, vor allem mit dem Ziel, menschliche Arbeitskraft zu sparen.

Wie eilig die Regierung es mit ihren Plänen hat, zeigt eine andere unterstützende Maßnahme. Ein 5G-Netz erfordert aus technischen Gründen mehrere hunderttausend Sende- und Empfangsstationen. Nur dann fließen die Daten schnell genug, sodass zum Beispiel Fahrzeuge in Echtzeit mit der Cloud kommunizieren und dadurch sicher autonom fahren können.

200.000 Ampeln mit 5G

Deswegen will die Regierung in Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden die Installation von 5G-Relais auf den 200.000 Ampeln in Japan erlauben. Das würde den Netzausbau beschleunigen und die Installationskosten senken. Wieder soll es ein Geschäft auf Gegenseitigkeit geben: Die Lokalverwaltungen dürfen die 5G-Stationen für technologische Projekte und bei Notfällen nutzen.

Das Projekt wurde nach Informationen der Finanzzeitung Nikkei bereits in der überarbeiteten Wachstumsstrategie der Regierung aufgenommen, die in nächsten Tagen veröffentlicht wird. Zur Umsetzung der Ampel-Umrüstungen ist ein Gremium mit Beamten des Innen- und Verkehrsministeriums, der Nationale Polizeiagentur und Vertretern der Lokalregierungen vorgesehen.

Foto: Japanische Ampel (flickr/redoxkun CC BY-SA 2.0)