Tokio (JAPANMARKT) – Japans Wirtschaft braucht dringend Arbeitskräfte. Dabei wird der Nutzen von erfahrenen Arbeitern im Rentenalter noch unterschätzt.

Rente ab 60 Jahren

Das staatliche Rentenalter steigt auch in Japan seit einigen Jahren langsam, aber sicher an. Aber viele Unternehmen ignorieren diese Veränderung. Laut Daten des Gesundheitsministeriums von 2017 halten trotz des Drängens der Regierung über 79 Prozent aller Unternehmen und fast 89 Prozent aller Produzenten am Pensionsalter von 60 Jahren fest.

Wegen des „Gesetzes für die Stabilisierung der Beschäftigung von Senioren“ müssen die Unternehmen ihre Mitarbeiter über das vereinbarte Rentenalter hinaus beschäftigen. Allerdings brauchen sie nicht mehr das alte Einkommen zu bezahlen. Daher sinken die Gehälter der Senioren über 60 oft um 20 bis 40 Prozent und sie verlieren meist ihre alte Position in der Hierarchie.

Ungenutztes Potential

Jedoch sollten die Unternehmen diese Politik überdenken, meinte jetzt die Beraterin Nobuko Kobayashi von der Beratungsgesellschaft EY-Parthenon. Ihr entscheidendes Argument: Nicht alle Prozesse lassen sich digitalisieren oder durch einen smarten Algorithmus abdecken. Wegen ihrer Erfahrung seien Arbeitnehmer im Rentenalter eine wichtige Quelle für Innovationen und Verbesserungen.

Zudem lohnten sich Investitionen in alte Mitarbeiter noch, meinte die japanische Beraterin. Ihr nachvollziehbares Argument: Junge Mitarbeiter könnten mit ihrem frisch erworbenen Wissen das Unternehmen verlassen und womöglich bei einem Konkurrenten weiterarbeiten. Das Risiko gebe es bei alten Angestellten nicht – sie hätten ihre Loyalität schon bewiesen und blieben in jedem Fall.

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