Tokio (JAPANMARKT) – Japans Unternehmen haben ihre Ausgaben auf ein Rekordniveau gesteigert. Vorbei die Zeiten, als sie alles auf die hohe Kante legten, was sich sparen ließ.

Mehr Investitionen

Die Finanzzeitung Nikkei hat den Cashflow, die Vermögenswerte, die Verbindlichkeiten und andere Finanzdaten von 3.600 Unternehmen (außerhalb der Finanzbranche) ausgewertet. Danach wuchs der Cashflow aus Investitionstätigkeiten um drei Prozent auf 51,6 Billionen Yen (423 Milliarden Euro) das dritte Jahr in Folge auf ein neues Höchst.

Nach Angaben der Zeitung stieg der Investitions-Cashflow dieser Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren um mehr als ein Fünftel. Ein Grund dafür sind höhere Aufwände für Kapitalausgaben sowie für Dividenden und Aktienrückkäufe. Die Ausgaben für diese Posten lagen bei rund 1.600 Unternehmen sogar über den Erträgen aus dem laufenden Geschäft.

Unterschiede zwischen Branchen

Die Unterschiede zwischen den Branchen sind auffällig. Vor allem das verarbeitende Gewerbe verringerte seine Kapitalausgaben, vermutlich zumindest teilweise als Reaktion auf die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA. Dagegen investierten Pharma-, Chemie-, Textilindustrie, Einzelhändler und andere Dienstleister mehr.

Allerdings werden die letzteren Daten dadurch verzerrt, dass der japanische Pharma-Branchenführer Takeda den irischen Konkurrenten Shire für eine Rekordsumme übernahm und Taiyo Nippon Sanso, eine Sparte von Mitsubishi Chemical, sich die europäischen Aktivitäten des Industriegase-Riesen Praxair sicherte.

Ausgaben für Aktionäre

Ein Grund für die gestiegenen Ausgaben sind Investitionen in Informationstechnologie. So investierte der Baukonzern Taisei binnen fünf Jahren 160 Prozent mehr auf diesem Feld, weil das Bauen zunehmend digitalisiert wird. Der Supermarkt-Riese Aeon führte Touch-Bildschirme für seine Mitarbeiter ein und erhöhte seinen Cashflow für Investitionen um die Hälfte.

Ein weiterer wichtiger Ausgabenposten sind die erhöhten Aufwendungen für die Aktionäre der Unternehmen. Die Dividenden stiegen um zwei Prozent auf 11,4 Billionen Yen (93,4 Milliarden Euro) und die Netto-Aktienrückkäufe um 70 Prozent auf 5,4 Billionen Yen (44,3 Milliarden Euro).

Foto: Raffinerie-Anlage in Japan (© Martin Fritz)